Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1895)
- Date
- 1895-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 21)
- Language
- German
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117 der theologische Wert des Talmud nicht genügend gewürdigt ist, ferner über den kompilatorischen Charakter des Talmuds uttb der Midraschim sprechen und eine Schilderung des Lebens eines Zeitgenossen Jesus' und der Apostel geben. — Seine zweite Vorlesung wird sich mit der Behauptung christlicher Theologen befassen, daß der jüdische Gott zu weit dem menschlichen Verständnisse entrückt sei. Weber in seinem „System der altsynagogalen Palestinensischen Theologie" ist der Hauptvertreter dieses Standpunktes. Indessen will Herr Schechter Nachweisen, daß eine derartige Auffassung von den Rabbinern als heidnisch verpönt wurde. Eine mystische Stelle, welche über den Wohnort der Gottheit sich ausdrückt, soll erklärt und die Nothwendigkeit dargelegt werden, theosophische Fabeln von gesunder theologischer Auffassung zu trennen. Theater, WustK und bildende Kunst. In Frankfurt a. M. gelangte ein neues Drama in fünf Acten von Emil Klaar „Königsleid" zur Aufführung. Gedankenfülle, vornehme schwungvolle Sprache und ein dem Idealen zugewandte Auffassung von Welt und Leben verleihen dem mit vielem Beifalle aufgenommenen Stücke, das zudem mit großen bühnentechnischem Geschicke gearbeitet ist, einen ganz besonderen Reiz und einen Zauber, der in unserer, der realistischen Weltanschauung zugewandten Zeit, erfrischend und wohlthuend auf den Hörer wirkt. Trotz der pessimmistischen Stimmung, die das Drama durchzieht, strahlt aus demselben der lichte Glanz einer höheren Lebensanschauung, der uns mit der Tragik des Geschickes aussöhnt. Die Darsteller, von dem Stoffe ergriffen, hatten durch ihre vortrefflichen Leistungen des Dichters geheimste Regungen zu herrlichem Ausdruck gebracht. — Eugene Benjamin Fichel, ein bekannter französischer Genremaler, ist in Paris gestorben. Seine Lehrer waren Paul Delaroche und Michel Martin Drölling, der einst in Davids Atelier gearbeitet hatte. Nach dem Fichel der großen Geschichtsmalerei einige Opfer gebracht, wandte er sich der Kleinmalerei in der Art Meissoniers zu. Er führte diese Bildchen, die meist Genreszenen und Interieurs behandeln, mit großem Geschick, rühmenswerther Sorgfalt und feiner Charakteristik der Figuren aus. Die geschichtliche Tracht spielte in ihnen eine wichtige Rolle. Einer seiner besten Leistungen: „Die Ankunft im Wirtshause", befindet sich seit dem Anfänge der sechziger Jahre im Museum des Luxembourg. Andere Bilder sind „Die Münzkenner", „Der Violoncellspieler", „Der Herzog von Chouiseul beim Abbe Barthölemy", „Bonaparte übergiebt seinem Stiefsohn Eugen Beau-