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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-05-01 · Heft 5 (1.5.1895) · p. Seite 109

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 5 (1.5.1895)
Date
1895-05-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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109 . — Die deutschen Juden pflegen oft zu sagen, daß in Amsterdam so ein Ereb Rab sein gemischter Hauses sei, weil alles, was -nirgends mehr geduldet wird, hier herkommt und hier Freiheit hat. Es giebt sehr viele hier, die sich an andern Orten haben taufen lassen und, nachdem sie auf ihre Art Buße gethan, wieder zum Judentum zurückgetreten sind, die aber nicht viel bei ihnen geachtet werden. Auch verschiedene Gerim sProselytens' oder Christen, die Juden geworden sind, kann inan unter ihnen antreffen, meistens von der römischen, einige auch aus der lutherischen Kirche. Die Juden haben große Freiheit in Amsterdam, sodaß sie alles ohne Scheu heraussagen, was sie sich anderswo nicht hätten unterstehen, dürfen. Das ist vielleicht insofern besser, weil man dabei Gelegenheit hat, ihnen ihre Einwürfe und irrigen Begriffe zu benehmen, da sie sich sonst - einbilden, sie hätten Recht, dürften aber nicht reden. . ' Es giebt viele Gesellschaften oder Chebroth unter den Juden, die zum Besten der Ungelehrten und Armen eingerichtet sind , z. B. solche, die Waisenkinder versorgen, andere, die armen Mädchen ausstatten, wieder andere, welche für Totenbestattung sorgen und dergleichen viele. Sie kommen teils täglich, teils des Sabaths zusammen und halten sich einen Rabbi, der ihnen ein "hebräisches Buch erklärt oder eine moralische Predigt hält. Die Portugiesen haben zwei, die Deutschen einen Rabbi, die sie in allen zweifelhaften Fällen, welche ihre Gebräuche betreffen, um Rat fragen. Nach dem Rabbi folgen die Richter, die mit dem Rabbi in Streitsachen schlichten , und die Parnasim oder Vorsteher, die alles, regieren und zugleich für die Armen sorgen. So viel von dem äußerlichen Zustand der Juden. Auch von ihrem inneren Zustand sei einiges Charakteristische kurz angedeutet: Wer ‘Olam ha-ba sdas ewige Lebens haben will, muß an den einigen Gott glauben und seine Gebote halten, welche, 613 an der Zahl im Gesetz Mosis enthalten, sind. Wenn jemand gesündigt hat, muß er Tschube sBußes thun d. h. Reue und Leid haben, fasten ( beten, Almosen geben, die Sünde nicht mehr thun und sich ganz auf Gottes Barmherzigkeit verlassen. Der große- Bußtag ist für die Juden der Versöhnungstag.. Die genannten Leistungen werden in gesteigertem Maß erfüllt von den Chaßidim ober Heiligen, welche sich aller, weltlichen Geschäfte enthalten und ganz den Talmudstudien und Bußübungen leben. Diese erlangen gleich die oberste der sieben Stufen des Paradieses. Solche Heilige stehen in hohem Ansehen bei den Inden. Es giebt deren aber sehr wenige, namentlich in Amsterdam, da hier die Nahrungssorgen besonders drückend sind. - Übrigens sieht es bei den Juden aus, wie bei den Christen. Die meisten stecken in der größten Unwissenheit und im Aberglauben: Die Gelehrten sind aufgeblasen und voller Einbildung. Die Reichen haben ihr Kanaan hier und sehnen sich nicht nach einen! anderen. Daher auch ein Sprichwort bei ihnen ist: Wer

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