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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-05-01 · Heft 5 (1.5.1895) · p. Seite 108

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 5 (1.5.1895)
Date
1895-05-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 fittig müssen die Mühlenbesitzer solchem Thun entgegenbringen. Und was denken Wohl die Obermüller, Mühlburschen rc. davon? Ist dies Liäusod haschem? Ist dies Verherrlichung des Mazzothgebotes? Ich möchte doch einmal die Gesichter dieftr Herren Rabbiner sehen, wenn sie so in corpore durch die Gänge der Mühle schreiten, ob sie da nicht doch ein klein wenig die Augen Niederschlagen, ob sie nachher nicht die Augen Niederschlagen, wenn sie an der Kasse abgelohnt werden? Und weiterhin! Ist es nicht ein Schlag ins Gesicht des zuständigen Rabbinerss zu dessen Bezirk die Mühle gehört, daß man ihm durch diese Massenbesichtigung ein Mißtrauensvotum erteilt? Wenn das noch ein Reformrabbiner wäre, gut. Aber es ist Dr. Salvendi, der fromme Dr. Salvendi, dem man ohne durchsichtige Rechnungsablage, ohne Controlle Tausende von Mark anvertraut und die Mühlenbesichtigung sollte man ihm nicht allein anvertrauen dürfen? Bessert Euch, Ihr Herren von der Orthodoxie, bessert Euch, wenn auch um den Preis von 40 Mark! SarnueL Leberkühn über die Juden in Amsterdam im vorigen Jahrhundert.*) ' Die Inden teilen sich in Rabbaniten und Karaiten. Erstere halten nächst der Schrift den Talmud für Regel und Richtschnur ihres Glaubens und Lebens. Letztere verwerfen den Talmud. In Amsterdam sind um 1740 die Inden durchgehends Rabbaniten, die portugiesischen sowohl als die deutschen. Doch sind manche im Geheimen den Karaiten zugethan, die sich aber nichts öffentlich merken lassen, da diese für Ketzer gehalten werden; es sind sonst verständige Leute, aber doch als Heuchler zu beurteilen, da sie sich äußerlich zur Synagoge hälteü, nur um äußerer Rücksichten willen. Darin sind aber Karaiten wie Rabbaniten eins, daß Jesus nicht der Messias sein könne, weil es sich nicht mit der Vernunft reimen will. Zwischen- Portugiesen und Deutschen ist der Religion nach kein anderer Unterschied, als daß die Portugiesen einige andere Zeremonien haben als die Deutschen. Indessen haben sie doch einen heimlichen Haß gegeneinander. Die Portugiesen wollen etwas vornehmer sein als die Deutschen. Denn sie schreiben sich vom Stamm Inda her und glauben, daß das Überbleibsel vom Geschlecht David unter ihnen sei; die Deutschen aber sollen nur von Benjamin Herkommen. Sie haben auch beschlossen, sich nicht mit den deutschen Juden zu verheiraten. * Nathanael X, V.

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