Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1895)
- Date
- 1895-05-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Die Juden des ganzen böhmischen Königreiches waren zusammen sine Corporation, deren Mittelpunkt in der Prager Altstadt war. Diesen Mittelpunkt bildeten die jüd. Ältesten, an deren Spitze der jüd. Richter stand, auch Meister genannt und zu Schreibangelegenheiten die Schuldiener"). Die jüd. Ältesten vertraten und beschützten alle Glaubensgenossen überall, wo sie auch in Böhmen ansässig waren. Den Prager Juden zeugten die allen Juden gegebenen Privilegien, bei ihnen concentrirte sich auf Grund König Otakars Privilegium (aus d. I. 1254) eine Art Autonomie in religiösen und gerichtlichen Angelegenheiten.") Das Einsetzen der Ältesten gehörte alljährlich der königlichen Kammer zu. Nur auf einige Jahre war dasselbe den altprager Ratsherrn bis z. I. 1538 übergeben.") Die ausführliche Art, wie die Ältesten der Juden eingesetzt oder von ihnen gewählt würden, ist erst aus Rudolf's Zeit bekannt. Es wählten jährlich die Juden aus der Gemeinde eine Anzahl Erwählter, welche dann die Ältesten oder den 8iat beantragten. Von der Kammer wurden sie bestätigt und der Procurator des Kaisers kam dann in die Judenstadt sie ausrufen.") Aber schon früher war vielleicht eine freie Wahl; denn als im Jahre 1502 der Jude Munk sich beim Könige das Recht verschaffte, daß immer zwei aus seiner Familie zu diesem Amte erwählt werden müßen, widersetzten sich dem die Juden, indem sie behaupteten, daß es gegen die ganze Gemeinde sei.") Die Anzahl der Ältesten war auch 20. ") Sie schwuren am Anfänge des 16. Jahrhunderts „bei den zehn Geboten, daß sie gerecht thun wollen dem durchlauchtigsten König, dem Bürgernieister, den Herren, dem Armen.wie dem Reichen, den Witwm und den Waisen.") Den. Ober-Rabbiner wählten sich die Prager Juden auch selbst und der Kaiser oder die Kammer bestätigte ihn. Im I. 1604 baten die Ältesten der Juden den Kaiser „wie sie immer in der Gemeinde einen Ober- Rabbiner hatten, der ihnen im Urteilfällen behilflich war, der jetzige Rabhi sei ") Tomek, Praha II, 304. Ihm gilt der Schuldiener zuweilen soviel als „Notarius". 0e1akov8ky, Ooäeä Nr. 3. 4. 36 Rößler Altp. X0 (Privil.) M) Im Jahre 1538 schreibt der König aus Wien Samstag vor Simon- und Juda den Altstädtern: So wir Euch in verflossenen Zeiten das Einsetzen der jüdischen Ältesten in den Prager Städten anzuordnen geruhten, geben wir Euch zur Kenntnis, daß aus Gründen unserer Kammer für diese Zeit das Einsetzen dieser Juden wir von Euch zu nehmen nnd den Räten unserer Kammer anzuordnen geruhen derart, daß die Räte unserer Kammer dieselben Juden in verschiedenen ihren Auftritten und Streiten anhören und beschirmen. Statth. Archiv Miss. Nr. 20 fol. 44. lö) Celakovsky, Cod. Nr. 292. M) Schon i. I. 1535 wollten die Juden diesen Munka aus Prag ausweisen Pag. M3 „es werde der König untersuchen" aber den Munka's wird das Recht wieder bestätigt i. I. 1545, 1577. Miss. Nr. 94, pag. 141. l7) Unter der Regierung Leopoldis i. I. 1683. w) Prag. Archiv Buch Nr. 994. 83.