Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1895)
- Date
- 1895-05-01
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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101 der Gesundheit des Jnvididiums und des Stammes, auf die richtige Erforschung der Haupturfachen bedrohlicher Krankheiten. Zur Erreichung bedient er sich des ganzen prophylaktischen Apparates der modernen Staatshygiene, aber in viel breiterer Ausdehnung in viel strengerer Anwendung als die modernen Sanitätsgesetze. (S. 60) „Jedes Wort kann auf die Goldwage der Wissenschaft gelegt werden und sein Gewicht wird richtig befunden werden. (S. 26) „Der Talmud nähert sich in seinem sozialhygieuischen Partien einem modernen Codex der öffentlichen Gesundheitspflege noch viel mehr als die Bibel". (S. 75) „Die moderne Wissenschaft muß die meisten Prinzipien des „Seder Tahorot" (Trakat über Rein und Unrein) billigen, ja, sie muß die aufmerksame Beobachtung und richtige Bestimmung der Wege, auf denen Krankheitskeime acquirirt werden können, bewundern. Am meisten dürfte jedoch der moderne Hygieniker über die Sicherheit dieser Verfügungen staunen, da doch heute bekanntlich über die Notwendigkeit und den Erfolg vieler hygienischer Maßregeln Autoritäten ersten Ranges sich nicht einigen könne." (S. 82) — Einer rückhaltlosen Anerkennung seitens der modemen Wissenschaft erfreut sich das Gesetz über die sanitäre Inspektion der Tiere, (S. 85) „Welch außerordentliches Vorherwissen!" ruft ein französischer Arzt aus; die Contagiosität der Tuberkoluse ist erst seit kurzer Zeit dargethan, die Übertragbarkeit durch die Nahrung wird noch nicht von allen zugegeben — und siehe da, das jüdische Gesetz, der modernen Wissenschaft um Jahrtausende voraneilend, enthält in seinen Vorschriften diese prophylaktischen Maßregeln gegen die Tuberkulose. (S. 86). — In ähnlicher Weise äußerte sich vor kurzem der berühmte Professor Dr. Adolf Baginsky, Direktor des „Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinder-Krankenhauses" in seinem Vortrage: „Die hygienischen Grundsätze der mosaischen Gesetzgebung." Er sagt unter anderem: „Dieses Nahrungsgesetz, das nicht blos hygienisch im schroffen Gegensatz zum Moloch- und Baalkultus entstanden, äußert sich in 4 Hauptkategvrien: 1) Verbot des Blutgenusses, 2) Verbot gewisser unreiner Tiere, 3) die Berührung mit Kadaver — selbst Herd und Ofen, die mit ihnen in Berührung gewesen, müssen nicdergerissen werden — und 4) Verbot des Genusses von gefallenen und zerrissenen Tieren. Die Bedeutung des Verbotes vom Blutgenuß ist größtenteils kultisch, da es im Gegensätze zum Baaldienste, der in manchen Fällen sogar den Genuß von Menschenblut forderte, erlassen worden. Das Blut sühnt auf dein Altäre die Sünden. Nebenher-ist Blut auch eines der wesent* lichsten Moinente zur Zersetzung und zur schädlichen Wirkung der Nahrung. Von den unreinen Thieren ist das Schwein zu einer besonderen historischen Bedeutung gelangt. Schon Plutarch und Manetho bezeugen, daß der Genuß von Schweinefleisch den Aussatz (Lepra) befördert und vermehrt. Es ist neuerdings festgestellt worden, daß auch bei Raben uud vielen anderen der in der Bibel als unrein