Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1895)
- Date
- 1895-05-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 anlaßt sahen, ihnen tröstend und besänftigend zuzurufen: Seid doch nicht so betrübt, so niedergeschlagen, denn die Freude in Gott, das feste, unerschütterliche Vertrauen auf Gott ist euere Kraft, euere Macht und Schutzwehr. Die Reue, die ihr heute hier bekundet, beweist, daß ihr euch für den Glauben der Väter bereitwilligst begeistern, daß ihr für die Verbreitung der Kenntnis der Thora Sorge tragen und somit euch euerer hohen Aufgabe als Reich von Priestern, als Träger der Gotteslehre, als Förderer der Cültur, Bildung, Humanität und Sittlichkeit auf die glänzendste Weise entledigen werdet. Diesen Gedanken hat übrigens auch schon Moses in seinen Abschiedsreden ausgedrückt, indem er seinem Volke zurief: Beherziget diese Lehren der Thora und suchet sie durch die That im Leben zu verwirklichen, sorget für die Verbreitung der Kenntnis derselben, denn nur auf diese Weise werdet ihr den Völkern der Erde zu imponiren im Stande sein, nur durch die herrlichen, echte Freiheit und Humanität athmenden Lehren der Thora werdet ihr, wenn ihr sie zur allgemeinen Kenntnis bringet, an Achtung und Ansehen gewinnen, so daß sie ausrufen werden: Wahrlich, dieses Volk, das sich frühzeitig für solche erhabene Lehren begeistert hat, ist doch eine große, weise, von der göttlichen Vorsehung mit ungewöhnlichen Geistesgaben beglückte Nation. Und wahrlich, die Zeit ist nicht mehr fern, wo diese Verheißung in Erfüllung gehen wird, denn die Schmähschriften unserer Gegner, wie die apologetischen unserer Gelehrten, haben die Aufmerksamkeit wahrheitsliebender Forscher und medicinischer Autoritäten auf das jüdische Schrifttum gelenkt, die die Resultate ihrer diesbezüglichen Studien und Forschungen in verschiedenen, trefflichen Werken der gebildeten Welt mitgeteilt haben. Von den zahlreichen, die hygienischen Vorschriften der Bibel und des Talmuds verherrlichenden Äußerungen dieser Autoritäten mögen hier blos einige erwähnt werden. In der vor kurzem erschienenen vortrefflichen Schrift: „Die Sozialhygiene der Juden und des allorientalischen Völkerkreises" von Dr. Alfred Nossig (Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart, Leipzig, Berlin, Wien 1894) heißt es unter anderm: „Wir finden im Pentateuch alle Teile der modernen Sozialhygiene ausgebildet. Die Hygiene des Bodens, des Wassers und der Luft (S 35) ferner: Höchst bemerkenswert sind die Vorschriften über die sanitäre Inspektion und Desinfektion der Wohnhäuser. (S 38) „Das Lepragesetz" zeigt uns, daß Moses die Existenz jener kleinen Krankheitskeime, welche man heute Mikroben nennt, nicht nur „ahnte," sondern kannte. (S. 39) Man kann keine rationelleren und humaneren Desinfektionsnormen aufstellen, als es hier geschehen ist. (S. 40) Ferner: „Dieser hygienische Codex, welcher vor etwa dreitausend zweihundert Jahren formulirt wurde, gründet sich auf eine genaue Kenntnis der Bedingungen