Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1895)
- Date
- 1895-04-01
- Page
- Seite 95 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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95 Weferate und Mitteilungen. Brann M. Dr. Geschichte der Juden und ihrer Litteratur für Schule und Haus bearbeitet. Teil II: Vom Abschluß des Talmuds bis zur Gegenwart. Breslau. Verlag von Wilh. Jacobsohn und Co. 1895. Das vorstehende Buch hat durch Erscheinen des II. Bandes seinen Abschluß gefunden, so daß es nunmehr möglich wird ein Gesammturteil über diese neueste Geschichte der Juden und ihrer Litteratur abzugeben. Dieses Urteil kann nur ein durchweg günstiges sein; denn zum erstenmal ist es einem Verfasser gelungen, ein für Schule und Haus wirklich brauchbares Lehru. Lesebuch der nachbiblischen Geschichte zum Druck zu bringen. Was ein solches Lob bedeuten will, das weiß derjenige zu schätzen, der einen auch nur annähernden Überblick über unsere jüdische Schullitteratur besitzt; sie zeichnet sich immer noch bei weitem mehr durch Reichtum als durch Gediegenheit aus, und für den Zweig der nachbiblischen Religionslitteratnr kann man noch nicht einmal das erstere behaupten. Hat sich doch die Überzeugung von der Notwendigkeit auch dieses Unterrichtsgegenstandes erst in unserer Zeit langsam Bahn gebrochen, und es ist darum nicht verwunderlich, wenn die ersten Versuche geeignete Lehrbücher hierfür herzustellen, nicht besonders geglückt sind. Was diesen ersten Versuchen durchgehends mangelte, war die einheitliche . und harmonische Durcharbeitung des geschichtlichen Stoffes unter dem einigenden Gesichtspunkte der fortlaufenden geistigen und religiösen Entwiklung. Man vergaß, daß in den Religionsstunden Religionsgeschichte, nicht Geschichte gelehrt werden soll, und überhäufte deshalb die Lehrbücher mit unzähligen Stoffen, Namen und Daten, die für den Unterrichtszweck völlig wertlos sind, während gerade das Wichtigste, das religiöse und geistige Moment, in den Hindergrund gedrängt oder zur Erörterung dem Belieben des Lehrers anheimgestellt wurde. Nirgends fand sich darum bisher in diesen Lehrbüchern jener ergreifende, erwärmende und überzeugende innere Ton der Darstellung, der tiefer wirkt als alles andere; nirgend war das Allgemeingültige aus dem Zeitlich Geschichtlichen so heraus gearbeitet, daß der Lesende das auch für heute noch geltende, belehrend e Element von selbst empfinden konnte und dadurch unwillkürlich angeregt, mitgerissen und nachhaltig ergriffen werden mußte. Gerade dieses fehlende aber muH den Grundton eines solchen Lehrbuches bilden Denn ein Lehrbuch der Religionsgeschichte soll zwar auf wissenschaftlichem Boden stehen, ist aber kein wissenschaftliches Lehrbuch; es darf darum nicht objektiv wie dieses sein, es muß vielmehr in seiner ganzen Form der Tendenz des religiösen Lehrzwecks dienen können, der es dienen soll. Das Brann'sche Buch ist das erste, das all' diesen Forderungen