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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-04-01 · Heft 4 (1.4.1895) · p. Seite 87

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 4 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
Seite 87 (sequence 15)
Language
German
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87 Worte der Trauer, gesprochen an der Mahre des set. Kerrn M. Irank, von vr. Adolf Brüll. (5. März 1895) Geehrte Trauerversammlung! Was wir mit Besorgnis und Bangigkeit vorausgesehen, ist leider traurige Wirklichkeit geworden und so haben wir denn heute die Arbeit des Tages unterbrochen, um unserem entschlafenen Freunde und Collegen, der uns Allen so lieb, so wert und teuer war, die letzte Ehre zu erweisen. Mühevoll und mit Dornen belegt ist der Pfad des Lebens für den, der die Saat der Erkenntnis auszustreuen berufen ist; aber „jubelnd kehrt er heim, tragend seine Garben", rufe ich mit dein Psalmdichter an diesem Sarge aus. Ja jubelnd kehrt er heim, tragend die Garben, die er auf dem Felde des Lebens gesammelt, er, der fleißige Arbeiter, der, wie er Anderen die Wege des Lebens gezeigt und die Pfade der Erkenntnis geebnet, unermüdlich an seiner Selbsterziehung und Selbstveredlung mit Eifer und Erfolg thätig war. Ja, er hat sich reiche Schätze des Geistes und Gemütes erworben, er hat dem Endlichen Ewiges abgerungen und das flüchtige Dasein mit dauerndem Gehalte erfüllt. Er, der berufen war, wie es in dem dieswöchentlichen Schriftabschnitte lautet: „lehaaloth ner tamid“ das Licht der Erkenntnis zu hüten und in den Herzen der Kinder zu entzünden, hat nie aufgehört, selbst zu lernen und noch am letzten Tage, bis daß die tückische Krankheit ihm zurief: Bis hieher und nicht weiter, hat er am Morgen noch die Jugend unterrichtet, und saß Abends,, selbst ein lernbegieriger Schüler, in den Hörsälen der Weisheit. Ja jubelnd kehrt er heim, tragend seine Garben. Ihm ist gesichert die Verehrung der Schüler und Schülerinnen hier und auswärts, die mit Liebe an ihm hingen und deren Leben er mit freundschaftlicher Teilnahme stets begleitete, ihm ist gesichert die Liebe seiner Collegen, denen er im Umgänge als ein wackerer , teilnehmender Genosse sich erwiesen. Er hat sich ein Denkmal gesetzt in der Geschichte der Schule, an der er über zwei Jahrzehnte eine segensreiche Thätigkeit entfaltete, er hat sich ein Denkmal gesetzt in den Herzen seiner Freunde und Angehörigen, denen er, ach, allzu früh entrissen wurde und die seinen Verlust aufs tiefste beklagen. Ja, lieber Freund! Mit der Ruhe eines Weisen blicktest Du dem Tode in's Antlitz, Du bist ehrenvoll gefallen auf dem Schlachtfelde des Lebens, auf welchem Du Dich, als ein wackerer, tüchtiger Kämpfer bewährt hast. Ziehe heimwärts, tragend Deine Garben. Leicht sei Dir die Erde!

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