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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-04-01 · Heft 4 (1.4.1895) · p. Seite 86

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 4 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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86 hervorgehen zu lassen, so ist es vergeblich, nach einem Zweck zu fragen. Er wird sich nach dieser Anschauung notwendig weiter entwickeln und weiß von dem, was aus ihm werden kann, notwendig werden nmß, ebenso wenig als die Zelle, aus der er hervorgegangen. Er weiß nicht, wozu er bestimmt ist, in ihm liegt der Grund seines Seins nicht. Man müßte die Zelle befragen und das wäre Unsinn. Sie würde, wenn sie Vernunft- und sprachbegabt wäre, nur antworten: Ich weiß es ebenso wenig als der Mensch. Ich ließ ihn aus mir hervorgehen, weil ich nicht anders konnte, weil das Hervorgehenlassen in meiner Entwicklung, in ineinem Wesen lag. Wie mit den« Menschen, so mit allem, was wir Welt, Natur nennen. Ob Darwin an Gott geglaubt hat, oder überhaupt einen Glauben hatte, ob seine Nachfolger einen solchen haben, haben können, mag eine interessante Spezialstudie sein. Uns interessirt mehr die entgegengesetzte Frage, nämlich: ob diejenigen, die einen Glauben haben, denen es Überzeugung und Bedürfnis ist, einen Gott zu bekennen, sich veranlaßt sehen müssen, die Wege, die jene Forscher gegangen sind, von vorneherein zu meiden oder ihre Resultate zu verwerfen? Ich glaube, daß das nicht nötig ist. Man kann als Gläubiger und Theist den Weg der Naturforschung gehen, ihre Resultate annehmen, ohne deshalb an der Innerlichkeit seines Glaubens und seiner Überzeugung Schaden zu leiden. Man muß nur, wie Paulsen a. a. O. thut, die Gebiete von einander trennen. Es muß „die Physik von der Metaphysik getrennt werden". Jene giebt die eausale Erklärung der Erscheinungen, diese den inneren Sinn derselben. Jene erklärt die Wirklichkeit in ihrer mechanischen Zusammensetzung. Diese den idealen Inhalt derselben. Diese Betrachtungsweise auf das religiöse Gebiet übertragen, würde folgendes ergeben. Die Physik hat es mit Kräften zu thun, die sie mechanisch wirken läßt. Ihr entsteht aus Zusammensetzung und Scheidung, Verbindung und Trennung, hervorgebracht durch bewegende und bewegte Kräfte, die Welt der Wirklichkeit. Ihr entstand diese Welt und mußte entstehen, weil sie ein notwendiges Erzeugnis der ewigen Gesetzen folgenden Kräfte ist. Diese Welt nur kennt sie, eine andere nicht. Die Metaphysik, setzen wir an Stelle dieses Wortes: Die Transzendentallehre, hat gegen all dies nichts einzuwenden. Sie erhebt keinen Widerspruch dagegen, daß durch das Zusammenwirken der Kräfte die Welt in die Erscheinung tritt, noch dagegen, daß sie sie auf diese bestimmte Weise zusammenbringen. Sie fragt nur: woher kommen diese Kräfte, woher ist ihnen die Eignung geworden, nach ewigen, unabänderlichen Gesetzen zu wirken und zu walten? Da tritt der Theismus ein und weist auf jene ewige Kraft hin, die alles in sich faßt jene Kraft, von der die Kräfte, von denen der Physiker spricht, Leben, Bewegung und die Fähigkeit erhalten haben, nach Gesetzen zu schaffen und zu wirken. Diese allumfassende Kraft ist Gott. (Fortsetzung folgt.)

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