Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1895)
- Date
- 1895-04-01
- Page
- Seite 88 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Mede beim Augendgottesdienst am Sabbat ,/Maraschat Mthro." gehalten von Rabbiner Dr. Lazarus in der Hauptsynagoge zu Köln. Meine lieben jungm Freunde und Freundinnen! Im heutigen Wochenabschnitt wird uns ein großartiges Gemälde entrollt, die begeisterte Schilderung der Offenbarung am Sinai. Drei Tage lang muß sich das Volk erst läutern und reinigen von allen irdischen Befleckungen, ehe es herantreten darf an den Fuß des heiligen Gottesberges die 10 Gebote zu empfangen. Die Natur selbst empfindet die Erhabenheit dieses größten geschichtlichen Augenblicks. Die Erde schwankt und wankt, als »volle sie in Trümmern zusammenbrechen, und das furchtbare Erdbeben wird begleitet von gewaltigen erschütternden überirdischen Posaunenklangen. Donner rollen, Blitze zucken. So stellt die heilige Schrift den weihevollen Zeitpunkt dar, an dem Israel die Lehre erhielt. Aber alle diese das Auge blendenden, das Ohr betäubenden, die Sinne einnehmenden begleitenden Erscheinungen waren nur angemessen der Größe und Schwere der Aufgabe, die Israel nunmehr auf sich genommen hatte. Sie waren gleichsam die Vorzeichen, die Israels Zukunft vorausverkündeten. Zn allen Völkern des Erdballs waren die Engel des Himmels gekommen, so erzählt der Talmud, um ihnen die heilige Thora anzubieten. Sie alle hatten ihre Annahme verweigert. Die Last von Pflichten, das Joch von Gesetzen, die sie damit auf sich nehmen müßten, sei eine zu drückend schwere. Nur die kleinste der Nationen, das winzigste der Völker rief einstimmig: wir wollen alles beobachten und ausführen, was der Ewige befiehlt. Wer ein hohes Ziel erstrebt, etwas schaffen will, was nicht leicht und schnell der Vergänglichkeit anheimfällt, wer Mitarbeiten will an einem ernster Arbeit würdigen Werke, der muß auf bittere Mühsal, auf harte schwere Kämpfe, auf schnöden Undank und Verkennung gefaßt sein. Aber wer ganz und voll durchdrungen ist von der Notwendigkeit seines Wirkens, von der Wichtigkeit und Bedeutung seines Schaffens, der ladet sich gern und freudig all das unangenehme, all das widrige und unbefriedigende auf, was nun einmal damit verbunden ist. Er läßt sich gern anfeinden, läßt sich gern hassen und beschimpfen, wenn nur seine Idee, für die er ringt und kämpft, zum Siege gelangt. Solch' ein Mann war Mose. Wir sehen ihn im heutigen Wochenabschnitt vom frühen Morgen bis zum späten Abend ohne Ruhe und Rast thätig