Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1895)
- Date
- 1895-04-01
- Page
- Seite 84 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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84 — Diese Wahrheit ist gewiß nicht geringe zu achten. Sie aber als Gott verehren, kann nur, wem die Natur — Gott ist. In diesem Sinne hat Häckel freilich recht, wenn er sich gegen den Vorwurf des Atheismus verwahrt. Häckel verwirft natürlich jede andere Weltanschauung. Der reine Monotheismus vermag ihm keine Welterklärung zu geben. Der Eine Gott, gut und vollkommen gedacht, könne eine solch' unvollkommene, leidenvolle Welt, wie sie auf Erden besteht, nicht erfinden. Daher vermögen ihm Moses und Mohammed keine vernünftige Welterklärung zu geben. Dagegen lobt er, wenn er ihm auch nicht zustimmt, den Amphitheismus, jenen Glauben, der sich zu Gott und Teufel bekennt. Ormudz und Ahriman, Osiris und Typhon, Wischnu und Schiwa — der erste das gute, der zweite das böse Prinzip darstellend. Zum Aniphiteismus gehört ihm auch das Christentum. „Bekanntlich spielt der persönliche Teufel als „Satanas, Versucher, Verführer, Fürst der Hölle u. s. w." im neuen Testament eine sehr wichtige Rolle". (Pag. 32.) Martin Luther glaubte an Teufel. „Die christlich-bildende Kunst hat in vielen tausenden von Gemälden: ... den Satanas leibhaftig vorgestellt" (das.). Mit dieser Annahme, meint Häckel, kann das Christentum eine Erklärung des Bösen in der Welt geben. Ich meine, religiöse Christen werden sich für dieses Lob bedanken. Häckel bezeichnet es als eine große Jnconsequenz, daß „gebildete Christen den Glauben an einen persönlichen Gott festhalten, und den an den Teufel aufgegeben haben". Das ist ihm um so unbegreiflicher, „als beide Dogmen wesentliche Bestandteile eines echt christlichen Glaubensbekenntnisses bilden." Man sieht, die Intoleranz besteht auf beiden Seiten. Wie der Rechtgläubige es nicht fassen kann, daß man die Natur als Gott denke, so kann es der Pantheist nicht begreifen, daß man einen geläuterten Gottesbegriff haben, d. h. daß man denken und an einen überweltlichen Gott glauben könne. Jener schleudert den Bannstrahl, dieser erklärt dich für geistig zurückgeblieben. Es ist ein Glück zu nennen, daß keiner von beiden allmächtig ist. IV. Der Theismus. a) Deduktion des gewöhnlichen Menschenverstandes. Wir müssen demgemäß den Monotheismus vom Pantheismus trennen und es versuchen, in jenem eine Teleologie zu begründen. Der gewöhnliche Menschenverstand wird sich daniit im Voraus einverstanden erklären. Er stellt die einfache Frage: soll alles Bestehende zwecklos sein? soll es nur existiren, uni zu vergehen, leben um zu sterben? Der Menschenverstand sträubt sich mit Recht gegen eine solche Annahme und, ohne es noch beweisen zu können, nimmt er ohne weiteres einen Zweck an. Ist dem Verstände diese Voraussetzung eine, wenn auch