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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-04-01 · Heft 4 (1.4.1895) · p. Seite 83

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 4 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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— 83 widerlegt. Ich will darüber nicht rechten, ob auf die Frage, daß man doch die empirische Wirklichkeit anbeten müsse, genügend geantwortet ist. Wenn er aber Gott als „transcedent" bezeichnet, so ist das der reine Theismus. Auch dieser behauptet, daß Gott von der einpirischen Wirklichkeit wisse, aber von ihr getrennt und hoch über sie erhaben ist. g.) Haeckels Monismus. Ähnliche, wenn auch nicht ganz gleiche Gedanken hat Ernst Häckel in seinem: „Der Monismus als Band zwischen Religion und Wissenschaft" ausgesprochen. Er nennt das ursprüngliche Verbundensein von Geist und Materie Monismus. Diese monistische Weltanschauung kann man auch ..„von anderen Standpunkten aus als pantheistische" bezeichnen. Die monistisch-pantheistische Weltaustassung entspricht vollkommen Höckels sonstigen naturwissenschaftlichen Anschauungen. Wer jedoch das genannte Buch in der Hoffnung zur Hand nimmt, eine Brücke zu finden, die über die Kluft hinüberführen werde, die etwa zwischen seiner wissenschaftlichen und religiösen Anschauung besteht, dem sei gesagt, daß der Monismus in der That ein Band ist zwischen Häckel'scher Religion und Wissenschaft. Um dieses Band zu finden, muß man sich erst zur Religion Höckels bekennen. Worin diese besteht, ist nicht unschwer zu sagen. Im allgemeinen dürfte das Urteil wie bei manch Anderen zutreffend sein, daß Höckels Wissenschaft seine Religion ist. Seine naturwissenschaftliche Überzeugung ist auch seine religiöse Überzeugung. Es bedürfte also keines Bandes. Wenn dieses doch gesucht wird, geschieht es einerseits, um mittelst des monistischen Pantheismus auf den Monotheismus loszuschlagen, andererseits, um den Vorwurf zu entkräften, daß der Monismus gefühl-, Poesie- und gottlos sei. Häckel stellt am Ende seiner Ausführung das Wahre, Gute und Schöne als die drei Gottheiten auf, vor denen er anbetend das Knie beugt. Die monistische Naturforschung wird das Wahre lehren, ebenso die Ethik das Gute, die Ästethik das Schöne. Den letzten Satz wird zum Teil auch der Theist anerkennen. Vor der Wahrheit, wie sie „das Siegel Gottes ist", beugt auch der Theist das Knie. Mit dieser Wahrheit hat aber die Natnrforschung nichts zu thun. Und hier liegt der Irrtum Höckels. Die Räturforschung hat schon so manches Wahre auf dem Gebiete der Materie zu Tage gefördert; sie wird noch manchen Irrtum, der über Zusammensetzung, Verbindung, Gefährlichkeit und Nützlichkeit der Stoffe und ihrer Kräfte besteht, beseitigen; sie wird zweifellos noch manches jiun Heile der Menschheit finden und erfinden. Sie mag sich dieser Arbeit rühmen. Nicht nur im Dienste der Menschheit, auch im Dienste Gottes steht sie mit ihr. Aber dies Alles ist nicht die hehre Wahrheit, die gesucht wird, ist nicht Religion und nicht Gott. Was Häckel Wahrheit r»mnt, ist die volle Kenntnis natürlicher Ereignisse und natürlichen Seins.

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