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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-04-01 · Heft 4 (1.4.1895) · p. Seite 81

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 4 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
Seite 81 (sequence 9)
Language
German
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81 ständig ohne dich. Wird dann weiter gefragt: Wozu das Ganze? so begänne die Blasphemie, weil das Ganze die Gottheit selber ist. Sie kann doch nicht gefragt werden, welchen Zweck ihr Dasein habe. Gesetzt aber, der menschliche Geist wäre kühn genug, auch diese Frage zu stellen — und der Pantheismus hätte diese Kühnheit großgezogen; warum hat er auch Gott mit der Welt beladen und beide für unzertrennlich erklärt? — so könnte die Gegenfrage gestellt werden: Wäre das Oede, das Wüste, das Nichts besser, zweckentsprechender? d. h. dem fürwitzigen Verstände des Menschen wird dadurch folgendes zu bedenken gegeben: Setze den Fall, deine Frage nach dem Zweck der Welt und mithin auch Gottes, hätte Berechtigullg; setze ferner, daß weder die Menschen, noch Tier- und Pflanzenwelt und alles was man sonst noch unter Welt versteht, irgend einen Zweck hätte, daß mithin das ganze uns bekannte Sein zwecklos wäre, — wolltest du lieber das Nichts sein? Weil du den Zweck des Bestehenden nicht einzusehen vermagst, soll ein Nichtbestehen dem vorzuziehen sein? Und wie denkst du dir das Aufhören alles Seins oder das gar nicht in die Erscheinung-Treten desselben? Ich meine, da ist überhaupt nichts mehr zu denken. Erwägungen dieser Art führen in abgnlndlose Tiefen. Verstand und Vernunft versagen. Nach dem Idealismus, wenn er sich mit dem Pantheismus verbindet, ist ein Weltzweck überhaupt nicht zu finden. Es wäre denn, man sagte: Gott ist im All oder das All und er setzt den Zweck in sich selber, er ist sich Selbstzweck. Dieser Ausweg ist mehr eine Ausflucht, als eine auf verstandesgemäßer Beurteilung ruhende Entscheidung. Gott setzt sich selbst zum Zwecke, er sucht und findet den Zweck in sich, sind Worte, denen jeder innere Wert abgesprochen werden muß. Besteht der Zweck, wie man es so gerne annimmt, in der höchsten Vollkommenheit, so müßten wir doch sagen: Gott sucht oder setzt seine höchste Vollkommenheit in sich. Nun mache man es sich klar, was das bedeuten solle: Gott sucht seine Vollkommenheit. Ich denke, daß er vollkommen ist, als solchen verehre ich ihn. Einen Gott, der sich die Vollkommenheit zusammensuchen muß, ist kein Gott. Oder vielleicht gefällt das andere Wort besser: Gott setzt sich selbst als Zweck, d. h. er setzt sich selbst als Vollkommenheit. Diese wäre also wieder etwas, das außer ihm und nicht mit ihm verbunden wäre. Wir können uns aber die Vollkommenheit nur mit dem Wesen Gottes verbunden denken. Dagegen ist der pantheistische Idealismus von dem Vorwurfe der Selbstvergötterung freizusprechen. Diese kann nur bei mit vollem Bewußtsein ausgestalteten Wesen angenommen werden. In diesen Verdacht kann daher nur der Mensch kommen. Hier jedoch fällt der Verdacht fort. Es besteht wohl die Gleichung, Gott ist das All und — das All ist Gott. Es kann sich wohl jedes Sein und Wesen als Teil der Gottheit betrachten. Aber bei der Unermeßlichkeit des Alls ist jedes Einzelsein so klein und verschwindend, daß Bescheidenheit wohl

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