Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1895)
- Date
- 1895-04-01
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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80 daß fast alle Talmudgelehrte Handwerker waren, als z. B. Faßbinder, Gerber, Schuster, Köhler, Schmiede, u. s. w. Und so erweisen sich denn die antisemitischen Anschuldigungen als nichtige und leere Behauptungen, denen absolut jeder sichere Boden fehlt. Meismus und Maturforschung in ihrem Merhättnis zur Teleologie. Von Rabbiner Dr. I. Stier, Berlin. Der Idealismus. o) Der Pantheismus. Sehen wir nun, was auf diesem Standpunkte für die Teleologie gewonnen ist. Worin besteht der Zweck der Welt? Worin der der Schöpfung? Die Antwort lautet: Für den Idealismus, sobald er mit dem Pantheismus sich verbindet, besteht die Frage überhaupt nicht. Die Frage nach dem Zwecke besteht doch im gewöhnlichen Sinne darin : Welchen Zweck hatte der Schöpfer vor Augen, daß er diese Sonne, diesen Mond, .diese Erde mit den Pflanzen, Tieren und Menschen geschaffen? Welche Absicht lag vor, daß der Weltenschöpfer all diese ins Dasein rief? Der Pantheismus erwiedert hierauf: Die Frage geht von einer falschen Voraussetzung aus. Sie setzt einen Weltschöpfer voraus. Der Pantheismus kennt, so paradox es klingen niag, einen Gott, aber keinen Weltschöpfer. Denn die Welt selber ist Gott. In ihr offenbart er sich. Nicht etwa als etwas außer ihr Seiendes, sondern er ist mit ihr eins. Sein Bestand ist auch ihr Bestand, sein Sein auch das ihre. Er ist das All, und das All ist in ihm. Wer nach dem Pantheismus dem Gedanken Raum gibt, die Welt könnte einmal aufhören, der niuß daniit denken, daß auch Gott aufhört. Wer also fragt: Zu welchem Zwecke ist die Erde geschaffen mit all den Wesen auf und in ihr, 51t welchem Zwecke bin ich, begeht, so absurd es klingen mag, eine Blasphemie. Denn, da er selber ein Teil Gottes ist, so ist das, als würde er fragen: Wozu existirt Gott? Jedes Einzelne, das Größte wie das Kleinste ist ein Teil seines Wesens, seines Seins. Nicht etwa in dem Sinne, wie es auch der Theismus annehmen kann, ein Teil des von deni Willen Gottes ins Dasein gerufenen, sondern ein Teil der Gottheit selbst, ihr an- oder innewohnend. Fragt der Teil, hier der Mensch, das Ganze: Wozu bin ich? kann ihm die Antwort werden: Du gehörst eben zum Ganzen. Das wäre nicht voll-