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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-04-01 · Heft 4 (1.4.1895) · p. Seite 79

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 4 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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79 so wird im Buche ©atmteP) einmal ein Weberbaum genannt. Jedoch können wir nicht weit fehl gehen, wenn wir uns den Webestuhl dem aus dem homerischen Zeitalter ähnlich denken. Deninach befanden sich oben eine Reihe von Spindeln, welche die Fäden zum Einschlag, teilweise wohl farbig, trugen. Rechts und links liefen die beiden Weberbäume, die das eigentliche Gestelle des ganzen bildeten. Unter den Spindeln war die Rolle, über die die gewebten Stoffe gingen. Darunter bewegte sich der sogenannte Schlagstab, der die Arbeit fester machte, und durch den dann die zu webenden Fäden liefen. Ans nähere Einzelheiten einzugehen, ist hier nicht am Platze. Eine andere von den Ägyptern auf die Hebräer überkommene Kunst war das Zubereiten und Gerben von Tierfellen. Auch dieses Handwerk finden wir bei der Beschreibung der Stiftshütte erwähnt. Hier ist nämlich die Rede von rotgefärbten Widderfellen und von Seekuhhäuten. Dies zeigt, daß die Juden der damaligen Zeit nicht nur die Felle zu gerben verstanden, sondern sie wußten denselben durch Färben — wahrscheinlich mit Saffian — ein schönes Aussehen zu geben. Auch sonst finden wir noch Tierfelle als ganz gewöhnlich erwähnt. So sehen wir auch die heute noch im Orient und im südlichen Teil von Europa übliche Sitte bei den Hebräern schon im Gebrauch, nämlich den Wein in gegerbten Tierfellen aufzubewahren. Man zog zu diesem Zwecke dem Tiere die Haut in möglichst unversehrtem Zustande ab, gerbte dieselbe und kehrte die gegerbte Seite nach innen. Dann nähte man alles zu und ließ nur einen von den vier Teilen des Felles, in dem die Beine stacken, zum Ein-und Ausgießen offen. Meine Absicht war nicht alle in der Bibel verzeichneten Handwerker aufzuzählen, sondern nur durch Anführung der bedeutendsten Gewerbe zu zeigen, welch' hohe Stellung das Handwerk unter den Erwerbsthätigkeiten der alten Hebräer einnahm, denn nicht uinsonst sagt der PsalmisP): „Wenn du dich nährst von deiner Hände Arbeit, wohl dir, dann hast du es gut." Auch der so sehr verrufene und oft angegriffene Talmud weiß den Wert des Handwerks wohl zu schätzen und hält es sogar für eine Pflicht ein Handwerk zu lernen, wie folgende Stelle foeweift.23) „Verpflichtet ist ein Vater seinen Sohn ein Handwerk fernen zu lassen, denn wenn er ihn kein Handwerk lernen läßt, so ist es so gut, als ob er ihn das Räuberhandwerk lernen ließe." Ebenso heißt es in den bekannten „Sprüchen der Väter" (Pirke Aboth): „Das Gesetzesstndium ohne Arbeit ist zwecklos." Ja das Handwerk wird sogar als ein besonders ehrenvolles Gewerbe hingestellt. „Es ist eine große Sache um die Arbeit, sie ehrt diejenigen welche sich ihr hingeben",sagt der Talmud. So finden wir daher auch 20) 1. Sam. 17, 7. 21) Ich folge hier den Ausführungen Autenrieth's in seinem „Schulwörterbuch zu den homerischen Gedichten." **) Psalm 128, 2. 23) Kidduschin sol 29a. ")Nednrim sol 49b.

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