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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-04-01 · Heft 4 (1.4.1895) · p. Seite 78

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 4 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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ihrer Erbauer und jeder, der die Cyklopenmauern von Baalbek entweder in Wirklichkeit oder auch nur auf Abbildungen gesehen hat, staunt bei deren gigantischem Bau über den menschlichen Geist, der Berge auftürmte, um sich einen Schutz gegen auswärtige Feinde zu suchen. Auch das Töpferhandwerk stand bei den Hebräern schon auf einer ziemlich hohen Stufe. Der hebräische Töpfer arbeitete schon nicht mehr mit der Hand, sondern auf der Drehscheibe, wie aus einer Stelle einer Rede des Propheten Jeremia hervorgeht. Ob die Hebräer schon die Töpfe durch Hereinschütten von Salz zu glasieren verstanden, geht aus der Bibel nicht hervor. Jedenfalls mußten sie aber ein Mittel gekannt haben dem Töpferthon seine Porösheit zu nehmen. Daß zu diesem Gewerbe aber viel Geduld gehörte, sieht man aus demselben Kapitel der jeremia - nischen Rede. Hier beobachtet nähmlich der Prophet einen Töpfer und schildert nun folgender maßen: „Und der Topf, den er (der Töpfer) aus Thon machte, mißriet ihm unter den Händen. Da machte er wiederum einen anderen Topf, wie es ihm gefiel." Demnach mußte ein damaliger Töpfer große Vorsicht beim Verfertigen dieser zerbrechlichen Waare anwenden. Daß das Zerbrechen aber keineswegs zu den Seltenheiten gehörte, das sieht man aus den gleichmütigen Worten: „Da machte er wiederum einen Topf, wie es ihm gefiel." Also gerade Choleriker taugen zu diesem Handwerk nicht. Ein schon lange bei den alten Hebräern eingebürgertes Gewerbe war die Weberei. Dieselbe hatten sie während ihres Aufenthaltes in Ägypten von den in dieser Kunst sehr erfahrenen Ägyptern gelernt. Die Ägypter galten überhaupt für die Erfinder der Weberei, wie der römische Naturforscher Plinius berichtet. Für das Alter dieser Kunst bei den Hebräern zeugt der Umstand, daß schon beim Ball der Stiftshütte kunstvolle Webereien erwähnt werden."! Die hebräischen Weber scheinen sehr gelehrige Schüler der Ägypter gewesen zu sein. Denn die Teppiche, von denen bei dem Bau der Stiftshütte berichtet wird, zeigen, welche Kunstwerke schon damals verfertigt wurden. Man verwandte dazu gezwirntes Bysfusgarn^) und Ziegenhaare. In kunstvoller Weise wußte man schon Gestalteil in Teppiche einzuweben, und so findet man auch hier in Teppiche eingewirkte Engel. — Auch beim salamonischen Tempelbau werden kostbare Weberarbeiten erwähnt. Zwar weiß der Verfasser der Königsanalen nichts davon zu berichten, jedoch in der Chronik finden wir dieselben angeführt?''» Der Chronist beschreibt nämlich hier einen kostbaren Vorhang, der mit Gestalten von Cherubiin durchwirkt aus verschiedenen farbigen Geweben hergestellt war. — Über die Einrichtung eines alt-hebräischen Webestuhls ist uns aus der Bibel nicht viel berichtet, lö) Jeremia 18, 2 u. ff. ir) 2. Mos. 26, 1—13. lö) Mit Unrecht übersetzt man hier Seide, denn Seide kannten die damaligen Hebräer noch gar nicht. ig) 2. Chronik, 3, 14.

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