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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-04-01 · Heft 4 (1.4.1895) · p. Seite 77

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 4 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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77 Er schildert hier, wie die damaligen Zimmerleute besonders aus Buchen und Eichen und, wenn es etwas kostbares werden soll, auch aus Cedern ihre Balken zimmerten. Dann zieht er — so berichtet Jesaia — eine Schnur, um die Balken gerade zu hauen. Um die abzuhauenden Stellen zu bezeichnen, gebraucht er den leicht pulverisierbaren Rötelstein, wie es heute noch viele Zimmerleute thun. Man sieht, die Leute verstanden es damals ebenso gut wie heute nach allen Regeln der Kunst — wenn man so reden darf — einen Balken gerade zu machen. Wenn auch die Neuzeit mit komplizierteren Mitteln arbeitet, so liegt nur der einzige Vorteil darin, daß die Arbeit rascher von statten geht. Besser machen als früher können es die heutigen Bauleute auch nicht. Daraus, daß der Zimmermann und der Schmied, wie auch hier bei der jesaianischen Stelle, fast immer gleichzeitig erwähnt werden, können wir wohl mit Recht schließen, daß die beiden Berufsarten im engeren Sinne zu den bedeutendsten und angesehensten Erwerbszweigen im alten Israel zählten. Daraus, daß es hebräische Zimmerleute gab, ergiebt sich natürlich mit Sicherheit auch das Vorhandensein von hebräischen Maurern, da um ein Haus fertig zu stellen, dazu, wie klar auf der Hand liegt, auch Maurerarbeiten gehören. Denn aus dem Stadium der Holzbauten waren die alten Israeliten schon längst heraus, und es giebt keinen besseren Beweis für diese Behauptung als der Bau des Tempels und des salomonischen Palastes. Die Kunst, mit der es die Maurer verstanden hatten die Mauern Jerusalems so fest zu machen, daß Nebukadnezar sie erst nach fast ein und einhalbjähriger Belagerung brechen konnte, zeigt, von welcher Tüchtigkeit die hebräische» Maurer waren. Mit welchen technischen Hülfsmitteln die damaligen Maurer arbeiteten, das zeigt uns wieder einmal unser bester Gewährsmann, der Prophet Jesaia. In einem Vergleiche^) erwähnt er als besondere Hilfsmittel zum Mauerbau die Meßschnur und das Richtblei. Beim Tempelbau wird sogar schon das Winkelmaß erwähnt?") Also nicht nur auf dauerhafte Arbeit sahen die hebräischen Maurer, sondern auch darauf, daß alles seine bestimmte Lage und ein schönes Ebenmaß hatte. Auch der Prophet Amos") erwähnt in einem Gesicht das Bleilot. Jedoch müssen die damaligen Maurer schon mit zwei verschiedenen Arten von Richtblei gearbeitet haben. Denn Jesaia nennt das Richtblei „Abnej", während Amos das Wort „Anaach" dafür gebraucht. Die Maurer scheinen also demnach ihre Werkzeuge vervollkommnet zu haben. Grätz schreibt sogar*"), sie hätten schon den Zirkel gekannt und sich desselben bei ihren Arbeiten bedient. — Überhaupt verstanden sich die alten Semiten insgesammt gut auf Mauer- und besonders auf Festungsbau. Noch heute zeugen die schon längst verfallenen Mauern Jerusalems von der Kunst ,a) Jesaia 34, 12. “) 1. Könige 7, 9. ") Amos 7, 7 und 8. 16) Grätz, Geschichte der Juden, II, A, ©. 362

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