Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1895)
- Date
- 1895-04-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 76 — möchte sagen, das Sinnbild des jüdischen Volkes, der Tempel, zum Teil wenigstens ein Werk fremder Kunstleistung und fremden Fleißes war. Dem hätte ich jedoch manches entgegenzusetzen. Vor allen Dingen ist der architektonische Entwurf vollständig eine Erfindung von hebräischen Künstlern, wie Herzfeld in einem Vortrage nachgewiesen hat. Dieser sagt nämlich^): „Denen aber, welche Riß und Ausführung dieses salamonischeu Tempels fast ganz den Phöniziern zuschreiben, habe ich entgegenzustellen, daß er im Wesentlichen offenbar nur eine Ausführung der Stiftshütte in Stein war, auch eigentlich blos die größere Höhe seines mittleren Teiles als der Seitengebäude und die zwei Säulen vor ihm phönizischen Stil zeigen; hinsichtlich der Ausführung schreibt aber der biblische Referent den Phöniziern blos zu das Fällen der Bäume auf dem Libanon besorgt, zu dem Behauen derselben und der Quadersteine mitgeholfen und alle Arbeiten in Erz ausgeführt zu haben."b) Als besonders wichtig hat Herzfeld mit Recht hervorgehoben, daß die Phönizier die Bäume — in diesem Falle die libanonischen Cedern — nur fällten und nicht etwa verarbeiteten. Denn Zimmerteute hatten die Hebräer, wie ich zeigen will, selbst. Gleich bei dem ersten wichtigen größeren Bau, dem Tempel, finden wir hebräische Bauleute neben den phönizischen erwähnt. Mit jener psychologischen Feinheit, mit der in der Bibel — man möchte sagen jedes Wort — auf die Wagschaale gelegt ist, zeigt uns dieses Buch an jener Stelle^, wie die hebräischen Zimmerleute als die besseren vor den phönizischen Bauleuten erwähnt werden, denen dann wieder die Giblim, die hebräischen Hörigen folgen. Es liegt in diesen Worten keine Spielerei, wie man leicht denken könnte, sondern viele andere Bibelstellen beweisen, daß oft Stellungen von Worten mehr zu reden wissen als ganze Sätze. — Auch an anderen Stellen finden wir die Zimmerleute besonders hervorgehoben, so in dem schon vorher berichteten Zusammenhang mit dem judäischen König Jojachin"'). Denn hier wird, ebenso wie bei den Schmieden, als besonders charakteristisch erwähnt, daß Rebukadnezar auch die Zimmerleute hinwegführen ließ. Wir werden wohl nicht fehl gehen, wenn wir annehmen, daß die danialigen Zimmerleute es infolge jener kriegerischen Zeit verstanden hölzerne Belagerungs- und Verteidigungsgeräte zu bauen, die dem babylonischen Könige Furcht oder wenigstens Besorgnis bei einem etwaigen Aufstand einjagen mußten. — Der Prophet Jesaia, der uns in seinen Reden ein treffliches Sittenbild seiner Zeit gegeben hat, widmet auch dem Zimmermann einige Beachtung.") 7) Herzfeld, „Zwei Borträge über die Kunstleistungen der Hebräer und alten Juden." 8) Es mag hier noch hinzugesügt werden, um Mißverständnisse zu vermeiden, daß die Phönizier nicht etwa, weil sie int Besitz von größeren Kenntnissen der Erzarbeit waren, alle Geräte aus Erz selbst verfertigten, sondern weil sie in ihren Handelsverbindungen mit der damals bekannten Welt eher imstande waren, gutes Erz, das es wahrscheinlich in Palästina nicht gab, sich zu verschaffen, denn goldene Geräte ließ Salomo selbst verfertigen. *) 1. Könige 5, 32. ,0) 2. Könige 24, 14. ») Jesaia 44, 13.