Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1895)
- Date
- 1895-04-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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75 Merkmal erwähnt, daß Nebukadnezar, König von Babylon, als er den König Jojachin von Juda als Gefangenen wegführte, alle Schmiede mit in die Gefangenschaft nahm. Diese Stelle spricht besser für die Tüchtigkeit der hebräischen Schmiede als eine seitenlange Lobpreisung derselben. Denn wenn Nebukadnezar, der mächtige babylonische König, der doch in seinen Chaldäern ein auf hoher Kultur stehendes und mit glänzenden Fertigkeiten ausgestattetes Volk besaß, sie fürchtete, dann müssen wirklich die hebräischen Eisenarbeiter es zu einem besonders hohen Grade von Kunstleistung auf diesem Gebiete gebracht haben. — Ein anschauliches Bild einer Schmiedewerkstätte hat uns der Prophet Jesaia'fi gegeben. Er schildert hier, wie der Schmied das Eisen an der Zange schmiedet, es glühend macht und es dann durch Hämmern streckt. Man sieht, daß hier einmal wieder der alte Rabbi Akiba recht hat. „Es giebt nichts neues unter der Sonne." Genau so, wie der althebräische Schmied, arbeitet noch heute der deutsche Dorfschmied. Auch die dem Schmiedehandwerk nahe verwandte Metallgießerei hatte bei den Hebräern wahrscheinlich dnrch die Vermittlung der Assyrer und Babylonier Eingang gefunden. Denn solange die Hebräer nur dem Dienste des einen Gottes sich widmeten, hatten sie keine Gelegenheit gehabt ihre Kenntnisse in dieser Richtung hin zu erweitern. Seit ihren engeren Beziehungen zu den heidnischen Nachbarvölkern jedoch waren sie oft wieder in die heidnische Babarei zurückgefallen und bildeten sich, indem sie fremde Vorbilder nachäfften, Götterbilder aus gegossenem Erz, ja sogar aus Silber und Gold, wie aus einer Rede des Propheten HoseaE') hervorgeht. Während Gold- und Silbersachen fast in allen Teilen der Bibel erwähnt werden, finden wir erst bei dem letzten hebräischen Weisen, dem Propheten MaleachjO), eine kurze, aber nichts desto weniger anschauliche Schilderung des Goldschmiedegewerbes. Wenn wir uns auch von den Kenntnissen der alten Hebräer in der Chemie keine hohe Vorstellung machen dürfen, so konnten doch schon die Goldbez. Silberschmiede, wie sich aus dieser Stelle ergibt, Silber reinigen. Denn um Gold zu reinigen, dazu gehören keine großen Vorkenntnisse, denn Gold ist bekanntlich nur in reinem Zustande zu finden, während Silber in Verbindungen mit vielen Metallen und Metalloiden vorkommt. In der getriebenen, also feineren, Silber- und Goldarbeit hatten es die alten Hebräer schon ziemlich weit gebracht. Das beweisen die goldnen und silbernen Prachtwerke des salomonischen Tempels und Palastes. Zwar wird es noch häufig als ein schlechtes Zeichen für die damaligen technischen Fähigkeiten angesehen, daß das eigentliche nationale Heiligtum, ja inan ') Jes. 44, 12. s) Hosea 13, 2. ") Maleachi 3, 2 und 3.