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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-04-01 · Heft 4 (1.4.1895) · p. Seite 74

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 4 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 Vielleicht könnte da jeinand entgegnen, daß die Hebräer bei ihrem Äuszuge aus Aegypten, wo sie doch noch Nomaden waren, sich dennoch im Gebrauche von Fähigkeiten befanden, die Handwerker besitzen und folglich Kenntnisse im Handwerk nicht unbedingt durch die Seßhaftigkeit erworben werden müssen. Ja, hatten denn die Juden während ihres niehrhundertjährigen Aufenthaltes in Aegypten nicht Zeit und Muße genug, ihre geringen Kenntnisse durch den Verkehr mit den damaligen Aegyptern, die doch schon eine so hohe Kultur besaßen, zu erweitern? Daher finden wir schon — so zu sagen als den Zunftheros aller Schmiede und Metallarbeiter — gleich im l. Buch Mosis (IV, 22) den Tubal-Kajin erwähnt, den die Bibel einen „Schmied alles Schneidewerkzeuges von Erz und Eisen" nennt. Derselbe gibt sogar Anlaß zu sehr interessanten etymologischen Ausführungen. Denn Tubal-Kajin ist, wie Buttmann bewiesen hat, nicht nur nach der Beschäftigung, sondern auch nach den Gesetzen der Sprachvergleichung identisch mit dem griechisch-römischen Schmiedegott Vulkan?) Da das Eisen zuerst zu Waffen verarbeitet wurde, so erklärt sich auch der noch zur Zeit der Errichtung der Stiftshütte übliche Brauch bei den Hebräern, ja man möchte sagen, das übliche Gesetz, das Eisen nicht zu heiligen, sondern zu profamen Zwecken zu gebrauchen. Auch im 1. Buch Samuels finden wir das Schmiedehandwerk erwähnt. Diese Stelle haben besonders die Antisemiten benutzt, um zu beweisen, daß die Juden ein Handwerk nicht gekannt hätten. Es steht nähmlich hier, die Juden hätten jedesmal, wenn sie eine Schmiedearbeit hatten verrichtet haben wollen, an die Philister sich Wender« müssen. Das stiinrnt auch ganz genau, aber in ihrer gewohnten Gewissenhaftigkeit haben diese Ehrenmänner eine sehr bedeutsame Stelle ausgelassen. Es ist näinlich noch dazu beinerkt, daß die Philister den Hebräern, die damals unter philistäischer Herrschaft standen, offenbar aus Furcht vor einem'Aufstande alle Verfertigung von Schmiedearbeiten ««ntersagten. Diese Stelle beweist eines Teils, daß die Herrn Antiseiniten eimnal wieder ins Blaue geschossen, andern Teils, daß die Hebräer eine große Fertigkeit in der Verarbeitung der Metalle und besonders des Eisens gehabt haben. Denn sonst hätten die Philister nicht die klar darliegende Furcht vor den hebräischen Waffen gezeigt. Jedoch nicht n««r Waffen verstanden die hebräischen Schmiede zu schmieden, sondern auch, «vie gerade aus dieser Stelle hervorgeht, Pflugschaaren, Haue, Beile und Sensen wußten sie zu verfertigen und — «vie hier besonders erwähnt «vird — zu schärfen. Daß die Schiniedekunst keineswegs bei den Hebräern in Verfall geriet, geht aus dein 2. Buch der Könige") hervor. Hier wird noch als ein besonderes y Buttmanns Beweisführung habe ich aus Grätz „Geschichte der Juden" Baud II, A, Note 6. *) 1. Samuel 13, 19—22. 3) 2. Könige 24, 14 und 16.

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