Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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in einer großen Konzertveranstaltung Mitwirken konnte. Am 22. Dezember 1869 wurde Rubin als Chordirigent an den Prager israelitischen Tempel berufen und das ganze Vierteljahrhündert hindurch hat er den Chorgesang dortselbst durck ernste und künstlerische Bestrebungen zu stetig höherem Ansehen gebracht. Auch als Komponist hat sich der Jubilar vielfach und rühmlichst bethätigt, speziell durch seine „Tempelgesänge". — In Rom fand eine seltsame Feier statt, der auch der Unterrichtsminister Commendatore Baccalli anwohnte. Es wurde nämlich der alte jüdische Friedhof, der an der Via Appia liegt, und der noch zur Zeit der römischen Imperatoren angelegt wurde, der allgemeinen Besichtigung freigegeben. Dieser Friedhof besteht jedoch nicht aus gewöhnlichen Gräbern, sondern aus unterirdischen Wölbungen (Katakomben) mit einer großen Anzahl von Nischen, in denen die alten römischen Juden ihre Todten beisetzten. Die Wände dieser Katakomben sind nicht nur mit lateinischen, griechischen und hebräischen Grabschriften, sondern auch mit Bildern bedeckt, welche Scenen aus dem jerusalemischen Tempel und aus dem religiösen Leben des jüdischen Volkes darstellen. Der Unterrichtsminister erklärte, dieser jüdische Friedhof wäre ein Archiv unb ein Museum zugleich, soviel gäbe es hier zu sehen und zu lernen. Interessant ist es auch, daß sich neben diesem altjüdischen Friedhofe auch der altrömische Friedhof des Calixtus befindet. Uebrigens ist ja die ganze Via Appia nichts anderes als ein langgedehntes meilenweites Museum. Weferate und Mitteilungen. Jnr Verlage von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. 1895 ist erschienen: R. Me'ir den Baruch aus Rothenburg. Sein Leben und Wirken, seine Schicksale und Schriften. Gedenkschrift zur sechshundertsten Jahreswende seines Todes von Dr. Samuel Back, Rabbiner zu Prag—Smichow. Erster Band. Leben, Wirken und Schicksale. Mit Subvention der Zunz - Stiftung in Berlin. Es ist eine verdienstliche, gründliche Arbeit, die mit vieler Hingebung und Liebe ausgeführt ist und sie hat darum einen bedeutenden Wert, weil sie jüdisches Geistesleben in Deutschland behandelt und dem glänzendsten Stern am Himmel der jüdischen Literatur daselbst gilt, nämlich Rabbi Me'ir ben Baruch aus Rothenburg, der durch sein tragisches Geschick unser lebhaftes Interesse und Mitgefühl erweckt und nebstdem äußerst interessante kulturgeschichtliche Notizen über das Leben der Juden enthält. Sechshundert Jahre sind seit dem Tode Me'lrs hingegangen. Er stammt aus einer jüdischen Gelehrtenfamilie, sein Vater war wahrscheinlich Mitglied des Rabbinatskollegiums in Worms. Wie sich Nachweisen läßt, lebten Verwandte von R. Me'ir