Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Theater, WuM und bildende Kunst. Man schreibt uns: Im Commissionsverlage von Oswald Mutze in Leipzig ist erschienen: „Die Jüdin." Ein politisches Familiendrama in einem Aufzug von Thorols Winter-Hjelm (Nach Henrik Wengeland's Epos „Die Jüdin"). Dieses Zeitstück aus der Gegenwart führt uns einen antisemitischen Parteiführer Bodo von Allenstein, Rittergutsbesitzer und Abgeordneter vor, der zur Zeit der Judenaustreibung aus Rußland in Consequenz seines judenfeindlichen Principes seinen Leuten verbietet, jüdische Flüchtlinge auf feinem Gebiete übernachten zu lassen. Das soll sich jedoch bitter an ihm rächen; er weist bei eiskalter Nacht einer Jüdin mit einem Kinde auf dem Arm die Thür und will nicht einmal letzteres beherbergen, trotz der Versicherung der Jüdin, daß es nicht ihr Kind sei. Und dieses Kind, das man dann erfroren im Schoße der ebenfalls verstorbenen Frau findet, ist Bodo's einziges Kind, das Zigeuner geraubt und aus Furcht, ertappt zu werden, in den Schnee geworfen haben, wo es die fliehende Jüdin fand. Der Pastor, der im Stücke auftritt, nennt die ganze antisemitische Bewegung eine krankhafte revolutionäre Opposition des aristokratischen Pöbels, die er auch für fruchtlos hält, denn durch die Hetze rotten sich die Juden immer mehr zusammen und halten mit der ehernen Kraft ihrer Rasfenliebe noch fester zu einander. — In Carl Merhoff's Verlag in München ist erschienen: „Jephtha", Trauerspiel in drei Aufzügen von Theodor Sylvester. Das Gelübde des Richters Jephtha, seine einzige Tochter im Falle eines Sieges über Ammon Gott z» opfern, wird von dein Dichter durch die Liebe Deborah's zu Arwadi, dem tüchtigsten Streiter im Kampfe, noch tragischer, da, als Jephtha seine Tochter tötet, Arwadi beim Anblick des grausigen Geschickes sich selbst tötet. Einzelne Scenen geschickt zusainmengefaßt,,würden eher eine dankbare Unterlage für eine Oper bilden. Als Trauerspiel zur Ausführung gebracht, wäre der Erfolg zweifelhaft. — In einer Versammlung des Kunst- und Gewerbevereins in Trier sprach Herr Domprobst Dr. Scheuffgen über die Kunst bei den alten Juden. Redner verbreitete sich zunächst über Musik und Tanz bei den Hebräern und wies besonders auf die hochentwickelte religiöse Musik hin, die der Erhabenheit des Gottesdienstes entsprach, sowie auf die Schönheit der heiligen Poesie. Weiter verbreitete er sich über die Entwicklung der Baukunst, die in den Palästen der Könige zu Tage trat, sowie über die Geschichte des Tempelbaues. — Herr David Rubin, Inhaber eines Musikinstitutes in Prag, feierte am 24. Dezember sein 25jähriges Jubiläum als Chordirektor im neuen israelitischen Tempel zn Prag. Der Jubilar, der im 57. Lebensjahre steht, hat seine musikalischen Studien am Prager Konservatorium mit so glänzenden Fortschritten absolvirt, daß er schon als 16 jähriger Jüngling