Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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67 — In dem Berichte des ungarischen Ministeriums über den Stand des Unterrichtswesens während des Schuljahres 1893/94, welcher dem Reichstage vorgelegt wurde, findet sich auf Seite 16 folgender Passus: „Der Pariser Einwohner Baron Moritz Hirsch hat für kulturelle Zwecke Ungarns, für dessen Arme und für die durch Elementarschäden betroffenen Einwohner im Wege der Frau David Bischitz den Betrag von 1,500,000 fl. verwendet. — Der Losonczer Bürger Herr Hermann Wohl hat eine Stiftung von 20,000 Kronen errichtet. Von den Zinsen der Stiftung sollen alljährlich vier arme, aber fleißige Schüler des dortigen Obergymnasiums beteilt werden. Jeder derselben erhält 200 Kronen jährlich während seiner ganzen Studienzeit am Gymnasium. — Frau Nahida Remy hielt in Amsterdam in der Kirche der „Vrye Gemeente“ einen Vortrag über. „Die Bedeutung der Frau im Talmud". — Man berichtet aus Holland: Dem Forschungsreisenden Elias Modigliani find von ihrer Majestät der Königin-Regentin die Offiziers-Insignien des Oranje-Ordens verliehen worden. — Die Mitglieder der Großen Synagoge in London hielten kürzlich eine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand ein Antrag des Schulvorstehers, die Scheidewand, die die nlännlichen Betenden von den weiblichen trenne, zu entfernen. — Von Herrn Großrabbiner Zadoc Kahn in Paris sind erschienen: „Sermons et allocutions“. Dieselben, ausgezeichnet durch Schwung und Innigkeit, enthalten auch die Gedächtnisreden auf Albert Cohn, Netter und Großrabbiner Isidor. — Im Alter von achtzig Jahren ist in Rom der jüd. Senator Sansone D'Aucona gestorben, der das geeinigte Königreich Italien mit schaffen half und der mit den hervorragendsten Staatsmännern Italiens die freundschaftlichsten Beziehungen irnterhielt. — In Rom wurde der jüd. Friedhof, der schon mehrere hundert Jahre alt ist, geschlossen und die Tobten werden in einer besondern hierzu freigelassenen Abteilung auf dem gemeinsamen Friedhofe der Stadt, Campo Verano genannt, bestattet. — Die Judenfrage in Rußland soll demnächst geregelt werden. In erster Linie ist es der Finanzminister, der auf ihre Regelung drängt, indem er geltend macht, daß der russische Handel durch die Maßregeln gegen die Juden schwer gelitten habe. Wie es heißt, würden demnächst neue Bestimmungen in Kraft treten, nach denen es den Juden gestattet sein soll, überall in Rußland ungestört zu wohnen. — In der Nähe von Wilna ist eine Epidemie unter dem Vieh ausgebrochen. Die Bauern beschuldigten die Juden des „bösen Blicks" und es kam in Folge dessen zu blutigen Kämpfen. Die den Juden gehörigen Läden und Häuser wurden geplündert und angezündet; mehrere Juden wurden in die Flammen geworfen, andere starben unter der Knute oder wurden von den Bauern aufgeknüpft. Die Soldaten schossen gegen die Aufrührer; es gab viele Tobte und Schwerverwundete.