Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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62 tag wird ja Gelegenheit haben, meine streng und entschieden katholische Ueberzeugung hier zu hören. Aber daß die Herren, sie mögen dieser oder jener Confesston angehören, diese oder jene Wissenschaft vertreten, sie mögen sich zum Christenthum so oder anders stellen, pauschaliter so behandelt werden, und zwar in Betreff ihrer wissenschaftlichen Leistungen, das muß ich ablehnen, und ich scheue mich nicht zu sagen, daß ich dem ganzen hohen Landtage die Competenz zu einem solchen Urtheile abspreche. Ein College wurde mit Namen genannt, Professor Nothnagel. Die Affaire, die sich an seinen Namen knüpft, braucht hier nicht besprochen zu werden. Nachdem aber diese Aeußerung geschehen ist, in Beziehung zu einem Schlagworte des Tage?, möchte ich als katholischer Gelehrter noch Eines bemerken. Ich glaube, Dante war vielleicht ein Christ. Ich bitte, seine „Göttliche Komödie" einzusehen und die Aeußerung Dante's über einen Juden, über Averoös, dort zu lesen. Dante war ein großer Geist und Thomas von Aquino war ein Mann von großem Adel und er war auch ein Heiliger. Die Aeußerungen, die von solchen Männern auch über jüdische Gelehrte gefällt worden sind, sind im Tone ganz anders gehalten, auch dort, wo eine Zustimmung unmöglich ist. Ich bin jedes Jahr in der Nothwendigkeit, den Spinozismus zu bekämpfen und ich sage es hier vor einem Hause ernster Männer, ich neige mich trotzdem jedesmal, so oft ich sein System bekämpfe, in Ehrfurcht vor diesein großen Geiste und edlen Menschen. Ich will damit nicht sagen, daß vielleicht alle jüdischen Gelehrten Spinozas seien, weder im Denken, noch vielleicht auch in der menschlichen Größe; aber man kann nicht so unterschiedslos über einen Stand urtheilen, man kann nicht so pauschaliter über eine Institution urtheilen, die eine Jahrhunderte alte Geschichte hat, und män sollte das persönliche Tactgefühl haben, finde ich, gegen den hier anwesenden Rector die von ihm vertretene Universität ihin nicht in das Antlitz zu beschimpfen. Wenn die Herren sich für den Stand der Universität interessiren, so bitte ich, einen buchhändlerischen Jahresbericht über wissenschaftliche Publikationen einzusehen. Sie werden finden, daß gerade das Werk eines jüdischen Gelehrten der Wiener Universität in der kürzesten Zeit eine neue Auflage erleben mußte, weil es einfach das einzige in dieser Richtung ist; ich nenne keinen Namen. Jene, die sich mit der Wissenschaft beschäftigen, werden wissen, (Zuckerkand!) wen ich meine. Man kann daher in dieser Weise nicht aburteilen. Den Mathematiker Jacobi, obwohl er ein Jude war, kann man nicht aus der Geschichte der Wissenschaft streichen. Das geht »licht, und ich würde bitten, lvenigstens die ällßeren Rücksichten walten zu lassen, die eine große historische Institution beanspruchen darf, und ich bitte für mich, wenigstens mich persönlich nicht zu verletzen, denn ich fühle mich menschlich verletzt, wenn man in meiner Anwesenheit meine CollegeN und die Institution, die ich zu vertreten die Ehre habe, in dieser Weise behandelt, wie es zu meinem Bedauern geschehen ist.