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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-03-01 · Heft 3 (1.3.1895) · p. Seite 59

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 3 (1.3.1895)
Date
1895-03-01
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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— 59 — der vernünftigen Seele enthalten sei. Auch Aristotelos spricht von einer Allbeseelung. Die Bewegung ist ihm eine Art Leben. Es kann nach ihm von einet Beseelung aller Dinge gesprochen werden. Er spricht von einem Leben der Luft und des Windes. Es widerspricht dem nicht, wenn er an einer anderen Stelle nur von dem eigentlichen Leben des Tieres und der Pflanze spricht. ci) Beseeltheit und Bewußtsein. Man kann wohl im vollen Ernste nicht so weit gehen und sagen, daß die Erde, oder ein aus ihr beliebig hervorgeholter Stein mit Absicht und Bewußtsein wirke. Aber zwischen der Behauptung, daß etwas innen-beseelt sei und jener, daß es mit vollem Bewußtsein wirke, besteht ein großer Unterschied. Mehr als das erste behauptet der Idealismus nicht. Ein Ding kann beseelt sein, ohne Bewußtsein zu haben. Dazu bedarf es nicht vieler Beweise. Die Erfahrung lehrt dies bei dem bewußtseinsvollsten Wesen, dem Menschen. Der Trunkene ist nicht bei Bewußtsein, Beseeltheit wird ihm niemand absprechen. Und wenn man Trunkenheit als eine vorübergehende Störung des Seelenlebens als normal bezeichnen will, verweisen wir auf den Schlafenden. Der Schlaf ist gewiß etwas bei dem Menschen normales, denn Schlaflosigkeit ist bereits anormal. Dem Schlafenden fehlt das Bewußtsein. Auch der Traum, ein Mittelzustand zwischen Schlafen und Wachen, läßt ein volles Bewußtsein nicht aufkommen. Der Schlafende ist aber ebenso beseelt wie der Träumende. Selbst im wachen Zustande können wir uns nicht immer des vollen Bewußtseins rühmen. Ohne Hier viel Beweise erbringen zu wollen, sei auf den fast zum Gemeinplätze gewordenen Satz hingewiesen: „Etwas liege unter der Schwelle des Bewußtseins". Nun kann dies Liegen unter der Bewußtseinsschwelle nicht von Tieren, noch weniger von unter ihnen stehenden Organismen, sondern nur vom Menschen behauptet werden, denn es besagt, daß das, was jetzt unter der Schwelle des Bewußtseins liegt, früher einmal über der Schwelle, d. h. im klaren Bewußtsein gewesen. Dieses aber fehlt den Tieren. Denn zu diesem gehört vor allem Selbstbewußtsein. „Dieses besteht in der Erkenntnis innerer Wahrnehmung und Schätzung alles dessen, was das eigene Dasein und seinen Wert ausmacht?) Oder wie es Paulsen an anderer Stelle sagt, zum klare«« Bewußtsein gehört: Das «nögliche Kennen seines Selbst, seine Abstainmuug, sein Verhältnis zu den Nebenmenschen, das Kennen wenigstens seiner eigenen Geschichte, seiner sich gesetzten Ziele u. s. w. Dem Tiere fehlt dies Alles. Dennoch besitzt es Innenleben, ist es beseelt. Wir rnüssen, uni eine Beseeltheit des Alls annehmen zu können, an eine ganze Reihe von Abstufungen denken. Wir könne«« da entweder von der höheren *) Zeitschr, s. Völkerpsychologie Bd. 2 pi 420.

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