Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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58 aussetzen, fördern. Außerdem empfindet, fühlt, denkt er- Das nennt er sein Seelenleben. Das Zusammengreifen dieses mit jenem bildet sein Selbst. Er »veiß sich als Ganzes. --Überall nun, wo er eine harmonische Verbindung der verschiedensten Bestandteile beobachten wird, wird er mit Recht auf ein Selbst, auf ein sich wissendes Ganze schließen. Die Harmonie wird sich freilich nicht überall in gleicher Weise zeigen, auch werden die einzelnen Bestandteile nicht dieselben sein. Aber, wie ein Rock ebenso Anspruch auf diesen Namen hat, wenn er von außen Tuch und innen Leinen hat, wie jener, dessen Bestandteile sich von Sammt und Seide zusammensetzen; wie dasselbe Verhältnis auch bleiben wird, wenn der Schnitt des einen lang, der des andern kurz sein wird; wie jenes Verhältnis und selbst die Bestimmung beider — als Bekleidung zu dienen — sich nicht ändern wird, wenn die Farbe des einen schwarz, die des anderen weiß sein sollte; wie ihre Unterschiede sich nur durch Quantität und Qualität äußern: so wird das Urteil über die verschiedenen Wesen immer dasselbe sein, mögen sich ihre Bestandteile aus welchen Stoffen immer zusammensetzen, in welcher Farbe, Form und Gestalt immer erscheinen. Die Frage, die wir an das Wesen, dem wir Körper und Seele zusprechen sollen, richten, wird immer lauten: entspricht es den Hauptbedingungen, die wir an uns wahrnehmen? d. h. findet sich bei ihm ein harmonisches Zusammensein verschiedener Teile, ist dieses ein jedem Einzelwesen oder wenigstens feiner Gattung entsprechendes, möglichst vollkommenes? Läßt sich diese Frage bejahen, dann schließen wir: auch das ist ein körperlich-seelisches Wesen. Bei dem Tiere setzen wir dies ohne weiteres voraus, obgleich die Unterschiede schon auffallend genug sind. Was hindert uns aber, dasselbe bei der Pflanze anzunehmen? Auch dort zeigen sich Zusanlmensetzungen verschiedener Bestandteile. Nicht nur in Wurzel, Stamm, Zweig, Blatt und Frucht. In jedem einzelnen Blatte offenbart sich die schönste Zusammensetzung, Fleisch und Haut, Blut (Saft) und Adern. Alles in innigster Harmonie, jedes ein Ganzes für sich bildend. Ist es nicht ebenso im Mineralreich? Man frage doch die Mineralogen und sonstige Fachgelehrten. Jedes denkende Wesen muß sich sagen: ich bin gezwungen, da überall nicht nur Körper, sondern auch Seele anzunehmen. Es giebt in der uns bekannten Welt nichts, das unbeseelt wäre. Schon die Philosophen des Altertums haben von einer Allbeseeltheit gesprochen. Demokrit spricht von der in Allem seienden Seele. Und wenn er diese auch mit dem Stofflichen vermengt, sie nur als einen feineren Stoff bezeichnet, so hat er doch das im Körperlichen Lebende bezeichnen wollen. Auch Plato spricht non einer Weltseele. Und wenn ihm die Seele auch früher ist als der Körper, ist ihm doch das Weltganze ein lebendiges Wesen. Ja die Welt ist ihm die vollkommenste. Seele, weil Gott nur vollkommenes schaffen wollte, dieses aber nur in