Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Gehirnteilchens mit jenem, oder dieser Zelle mit jener ist ein Reiz, eine bestimmte Bewegung, ein Gedanke entstanden. Daß der Gedanke beabsichtigt, auf irgend einen Zweck gerichtet sei, ist dadurch ganz ausgeschlossen. Das versteht zwar nicht jedes Menschenkind, auch der einsichtsvolle Materialist wird zugestehen, daß da noch manches dunkel ist. Aber, da er von seinem Standpunkte nichts besseres weiß, begnügt er sich mit dieser Erklärung. Soll nun irgend ein Zweck für das Bestehende angenommen werden, könnte er nur den Idealismus zur Grundlage haben. Wenn nun die Vernunft waltet, wenn alles Seiende, außer der äußeren Erscheinung, ein inneres, intelligentes in sich birgt, so muß schon im Entstehen eine Absicht vorwalten. Mit jeder Absicht muß ein Zweck verbunden sein. Der Zweck ist also ein a priori Gesetzes. t). Die Verbindung des Geistes mit der Materie. Bevor wir den Zweck ins Auge fassen, drängt sich für den Idealismus, solange er nicht Theismus geworden ist, die Frage auf: woher kommt die in allem Seienden sich bergende Vernunft? Hat die Materie die Vernunft gezeugt? Das ist, wie oben gezeigt, nicht möglich. Aber angenommen, wenn auch nicht zugegeben, woher stammt diese? Für den Materialisten besteht nur die zweite Frage. Ihre Beantwortung hat er sich ziemlich leicht gemacht. Es gab, so dozirt er, einen Urstoff, ein Urelement, Moleküle, Atome, Uratome, Weltäther. Diese schwirrten im leeren Raume, stießen zufällig aneinander, verbanden sich zeitweilig, trennten sich durch Gegenstoß auch wieder. So entstanden die verschiedensten Gebilde, bis sich — alles durch Zufall — Passendes dem Passenden gesellte. So wurde das Weltganze wie es ist. Dieses Zufallsspiel wird, obgleich der Raum nicht mehr leer ist, weiter getrieben, wird wohl in alle Ewigkeit kein Ende nehmen. Ich habe nicht die Absicht, den Materialismus zu widerlegen; doch muß gesagt werden, daß er fast so viel Unmöglichkeiten behauptet, als er Worte macht. Woher stammt der Urstoff? Wie ist das Atom ins Dasein getreten? Oder soll das Ur... die Erklärung abgeben? Dann muß doch gebeten werden, gefälligst zu sagen: was ein leerer Raum ist? Der gemeine Menschenverstand wird es auch kaum fassen, wie ein Raum leer genannt werden kann, in dem Atome schweben, die doch, wenn auch in den denkbar kleinsten Teilen gedacht, materiell sein müssen. Oder sind die Atome unkörperlich, und diese hätten durch Zusammenballung die Körperwelt hervorgebracht? Nichts als Absurditäten. Für den Idealismus wäre der Weg nun frei. Hat er Ursache zu jubeln, sich seines Sieges zu freuen? Nicht doch. Der Idealismus hat den Feind gar nicht besiegt. Der Materialismus stirbt an eigener Schwäche. Mag jener nun zeigen, ob er Lebensfähigkeit hat. Seine Aufgabe ist ja eine ungleich schwierigere. Er muß nicht nur das Werden der Materie und des Geistes Nachweisen, er muß