Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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”'r'’Ti — 5& — Wirkliches entgegentritt, gibt es außer der äußeren Gestalt — seiner Körperlichkeit — ein Inneres, es Belebendes, Geistiges. Es ist mit einem Worte: die Beseeltheit des Körperlichen. Der Idealismus geht da nicht vom niedrigsten Lebewesen zum höchsten über, auch sucht er nicht vom unorganischen zum organischen fortzuschreiten, er geht den entgegengesetzten Weg. Vom entwickeltesten Lebewesen, das er kennt, schließt er auf das niedrigere und das niedrigste, vom Organischen auf das Unorganische. Der Mensch schließt von sich auf andere außer ihm. An sich selbst sieht er nur, was von ihm in die Erscheinung tritt, das Körperliche, Materielle. Dennoch hat er das volle Bewußtsein, daß etwas in ihm lebt, empfindet, fühlt, denkt, ihn zu Handlungen veranlaßt, die zu verrichten einer toten Materie unmöglich wäre. Dem in ihm waltenden Etwas gibt er einen Namen. Er nennt es „Seele". Er schließt nun folgendermaßen: An mir selber sehe ich bloß den Körper, nur das Materielle tritt in die Erscheinung. Doch weiß ich, daß eine Seele in mir lebt. Bei dem mir ähnlichsten Geschöpfe, dem anderen Menschen, wird es ebenso sein. Und warum nur bei dem Menschen, warum nicht auch bei dem Tiere, der Pflanze, dem Steine? Weil mir da nur Materie entgegentritt? An mir selber sehe ich ja auch nichts mehr. Es mag der sonstigen Materie so manches fehlen, das ich an mir beobachte, wie Sprache, Bewegung u. s. w-, das berechtigt mich aber nicht, was sich mir als Materie darstellt, als seelenlos zu erklären. Dort mögen andere Formen und Bedingungen vorherrschen, das Seelenleben mag eine andere Richtung nehmen oder in minderer Kraft sich äußern: leblos und seelenlos muß sie nicht sein. Ich schließe: die ganze Natur ist belebt. Ebenso wie ich mir meiner Thätigkeit und meines Schaffens bewußt bin, so wird es mit allem sein, was mich umgibt. Die Natur schafft nicht blind, sondern bewußt; wohl bestimmten Gesetzen folgend, aber sie mehr oder minder frei vollführend. Der Idealismus kennt nicht Materie allein. Diese steht in Verbindung mit dem Geiste, ohne den sie freilich tot wäre, aber ohne ihn existirt sie nicht. Der Idealismus, so gefaßt, ge£)t' glimpflicher mit dem Materialismus um, als dieser mit jenem. Während der starre Materialismus alles innerlich Seiende, Lebende, durchweg abweist, gesteht der Idealismus dem Materialismus die Existenz der Materie zu. Er leugnet die Körperlichkeit nicht, nur läßt er sie von einem etwas, das nicht Materie sein kann, belebt sein. Der große aber auch volle Gegensatz tritt zu Tage in der Auffassung des Werdens und Entstehens der Dinge. Während der Idealismus Sinn und Verstand, Absicht und Zweck im Weltganzen voraussetzt, sucht und, je nach dem Standpunkte, den er einniinmt, zu finden glaubt, sieht und findet der Materialismus von alledem nichts. Es gibt nach ihm weder Sinn noch Absicht, es kann daher keinen Zweck geben. Was geschieht und geschehen ist, was wird und geworden ist, ist ihm bloßer Zufall. Selbst der Gedanke ist Zufall. Durch zufälliges Zusammentreffen, dieses