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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-03-01 · Heft 3 (1.3.1895) · p. Seite 51

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 3 (1.3.1895)
Date
1895-03-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 wie seine Wahrheitserkenntnis, wie die Begeisterung seines Herzens es ihm gebot, 1 und wenn sein Wort auch keine Thaten zu schaffen vermochte, so ist es doch selbst 1 eine That geworden, die Alles überstrahlt was damals als solche gegolten hat. | Es ist ein das Maß unserer geistigen und sittlichen Fähigkeiten Mktf übersteigendes Ziel, wenn wir uns die Propheten zuni Muster nehmen und etwa *' zu der Höhe, auf der ein Jesaias stand, emporkommen wollten, es. sind ja auch :] die göttlichen Gnadengaben, die sie besaßen, uns nicht verliehen, aber wenn wir! auch nicht Propheten werden können, so sollen wir doch Schüler der Propheten i bleiben, die sich nach ihren Lehren richten und in ihren Wegen wandeln. Das kann doch auch billig von uns verlangt werden, daß wir unser Streben nicht nach 5 dem Erfolge abschätzen, der sich herausstellt, sondern in seine innere Gediegenheit seinen Wert setzen, und auch da, wo es von anderen nicht geteilt, nicht gewürdigt, nicht gefördert wird, dennoch darin nicht wanken und ermüden. Wir bilden uns ja heutzutage so viel auf unser Selbstbewnßtsein ein, in welchein wir von der Meinung und dem Willen anderer durchaus unabhängig bleiben und erblicken fast in jedem Verstlche, auf unsere Denkungsart einzuwirken einen Angriff auf unsere Geistesfreiheit eine ungerechtfertigte Bevorniundung, die wir uns nicht gefallen ' lassen können, dabei vergessen wir aber, daß wir überhaupt keine eigene Meinung haben, da wir ja in Allem, was wir thun und wollen, uns immer zu allererst fragen, wie man das beurteilen und aufnehmen, ob das uns den gewünschten Erfolg und Beifall einbringen werde oder nicht. Eine selbständige, wirklich unabhängige Ansicht, die sich nur auf die innere Überzeugung gründet und auch da, wo sie mit der allgemein herrschenden Anschauung nicht übereinstimmt, ihr volles Geltungsrecht beansprucht, trauen wir uns gar nicht zu, da wir auch den Mut einer eigenen - Meinung nicht besitzen lind bei all' der Zuversichtlichkeit, die wir mit unserem Selbstbewußtsein uns einflößen, uns doch mit einer zu ihr gar nicht im Verhältnis stehenden und zu ihr gar schlecht stimmenden Feigheit wohl davor hüten, mit den Meinungen anderer, wenn wir im Herzen ihre Unrichtigkeit auch einsehen, in Widerspruch zu stehen. Ja, die Klugheit, die mehr rechnet als nachdenkt, ist es, die uns den freien Gebrauch unserer Vernunft verbietet und rechte Narren und Feiglinge aus uns macht. Erfolg' ist der Maßstab, den wir an jedes Thun anlegen, ist der Leitstern, der in unseren! Streben uns leitet, ist das Ziel, das auf allen Wegen uns vorschwebt, ist der Götze, vor dem wir uns in den Staub werfen. Wer will aber behaupten, daß nur edle und heilsame Bestrebungen ihres Erfolges sicher seien? Zeigt sich nicht oft das gerade Gegenteil? Sehen wir nicht, wie oft nur die gleisnerischen, in das Gewand der Tugend sich hüllenden, der gemeinen Selbstsucht dienenden Bestrebungen ganz unerwartete Erfolge erzielen und dies eben nur deshalb, weil man das Verwerfliche in ihnen erkennt und herausfühlt? Wem es mit der Wahrheit ernst ist , der wird

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