Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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47 Pflege sei das ganze Leben des Verstorbenen geweiht gewesen. Vor und nach der Trauerrede sangen die Chormitglieder des Stadttheaters ergreifende Trauerlieder. Hleferate und Mitteilungen. Herr Fabian Schach hat eine litterarische Skizze unter dem Titel „Eine anserstandene Sprache" (Berlin, Verlag von Hugo Schildberger) veröffentlicht, in welcher er die Bedeutung des Hebräischen, das man gewohnt ist, unter die toten Sprachen, wie das Lateinische und Griechische, zu setzen/ als lebende Schrift- und Verkehrssprache hervorhebt. Die heilige Sprache der Bibel ist in Rußland, von wo aus geistige Bewegungen nicht ihren Ausgang zu nehmen pflegen, zn neuem Leben erwacht, sie ist dort nicht mehr blos Gebets- und Gelehrtensprache, sondern beherrscht dort die erlesensten Geister, durch welche das sociale und litterarische Leben vertreten ist. Vier Millionen Menschen bedienen sich wenigstens als Schriftsprache des Hebräischen, das eine Classicität erreicht hat, hinter der das Hebräische der spanischen Periode zurückbleibt. Daher kommt es auch, daß, während die Analphabeten in Rußland einen erschreckenden Prozentsatz ergeben, bei den Juden keiner angetroffen wird, der nicht fließend hebräisch lesen und schreiben kann. Allerdings ist der Jargon die eigentliche Umgangssprache der Juden, aber das Hebräische hat einen nie geahnten Aufschwung genommen und eine praktische Bedeutung erlangt, die nicht unterschätzt werden kann und ihnr einen Platz unter den lebenden Sprachen anweist. In hebräischer Sprache verkehrt die Geschäftswelt miteinander, hebräische Buchführung nnd hebräische Wechsel sind etwas Gewöhnliches und der ganze Briefverkehr in allen seinen Schattierungen wickelt sich hebräisch ab. Was die neuhebräische Sprache vor dem mittelalterlichen Hebräisch voraus hat, ist, daß sie frei ist von anderen fremdsprachlichen Elementen, daß sie eine rein biblische ist, in der nur neue Begriffe durch neue entsprechende Worte ausgedrückt werden. Darum ist sie auch so leicht zu erlernen, weil nur die 24 Bücher der Schrift die Grundlagen ihrer Kenntnis bilden. Kaum fünfzig Jahre alt, hat die neuhebräische Sprache sowohl an äußerer Ausdehnung, als auch an innerer Vertiefung ungeheure Fortschritte gemacht. Hervorzuheben ist, daß auch diese Beweggung von Mendelssohn aus ihren Anfang genommen. Aber es war nur eine kurze glanzvolle Epoche, die seine Schule, die Männer der Hameassef (Sammler), hervorgerufen, die mit ihrem Aussterben auch erloschen war. Auch der Aufschwung des Neuhebräischen hängt mit der Idee der Aufklärung zusammen, indem einige Talmud-