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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-02-01 · Heft 2 (1.2.1895) · p. Seite 48

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 2 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
Seite 48 (sequence 24)
Language
German
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48 gelehrte zu der Anschauung und Überzeugung kamen, daß talmüdisches Wissen nicht ausreicht, um den Bedürfnissen der Geister und der Pflege der Kultur zu dienen, weshalb sie auch seitens der Rabbiner, welche für solche Bestrebungen kein Verständnis hatten, Verfolgungen manigfachster Art zu erdulden hatten. Bibelkenntnis und hebräische Grammatik galten in rabbinischen Kreisen als frevelhaft und darum als überflüssig und schädlich. Der erste, welcher dieses bessere Streben geweckt, war der „Auf der Warte" (Häzofe l’Betli Israel) stehende Jsaac Erter, der durch seine Schriften gleich die Höhe gezeichnet, zu der man stylistisch gelangen muß: Seine classische Sprache voll Humor und Ironie fließt bald wie ein sanfter Bach dahin und reißt bald wie ein ungezähmter Strom Alles mit sich fort. Ihm reihten sich viele Männer an, er bildete eine Schule, die in fortwährender Entwicklung begriffen, ihn selbst noch nicht erreicht hat. Einer der hervorragendsten Dichter dieser Schule ist Abrüham Map». Seine Novellen sind geradezu classisch. Auch ist die Journalistik in diesem Sprachidiom ans kleinen Anfängen mächtig und stattlich herangewachsen und kann die neuhebräische Publicistik mit Stolz auf ihre praktischen Leistlingen Hinblicken. Der bervorragendste Vertreter der Lyrik, der Fürst der Dichter, war der vor einigen Jahren in Petersburg Heimgegangene Jehuda Leb Gordon, der sich an Jehuda Ha Levi anreiht. Als Belletrist ist hervorragend der greise Peter Smolensky, der auch zugleich energisch gegen den religiösen Fanatismus und den zersetzenden Jndifferentismus auftrat und in die dunkelsten Winkel seiner russischen Glaubensgenossen das Licht der Aufklärung getragen. Sein Roman „Irrfahrten des Lebens" ist die treffendste Kritik der jüdisch-russischen Zustände. Er begründete die Monatsschrift „Haschachar" (Die Morgenröte), um die sich edle. Geister schaarten. Aus seiner Schule giengen Mänller hervor, welche hervorragende Schriften der jüdischen Litteratnr in deutscher Sprache ins hebräische übersetzten und die erlesensten Geister Delltschlands, Englands und Frankreichs dem Volke näher brachten. Wir nennen nur Männer wie Brandstädter, Dolitzky Abramowitz, Radner, Rosenfeld und Schulmann. Inhalt: Die Verjüngung des Judentums. - Leopold Zunz. Von Dr. Joel Müller. Zum Andenken an I. S. Adler. — Zum Andenken an Dr. Ludwig Kompert. Von Alfred Friedmann. Aus den Gedichten voll Emil Claar. — Monatsschau. — Theater, Musik intb bildende Kunst. — Referate uitb Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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