Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969809-2969812--4382-2973642- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
30 Doch wie wichtig und bedeutsam diese neuen Pflanzungen auch immer sind, so bilden sie doch nur einen Teil der erfolgreichen Thätigkeit dieses gefeierten Lehrers. Durch erlesene Beispiele, durch geistreiche und doch überall die Wahrheit treffende Versuche und Anregungen auf vielen und mannigfachen Gebieten des jüdischen Wissens erweckte er seine Zeitgenossen, ermunterte er strebsame Jünger zu selbständigen Arbeiten, durch sie spricht er am lautesten auch zu denen, die nach ihm leben, zu uns, fortzuschreiten auf den Bahnen, die er gewiesen, und das Feld des Wissens in seinem' Geiste zu bestellen. Da ist, wenn man auf die talmudischen Disciplinen blickt, seine Zusammenstellung und Ordnung der tosafistischen Schulen. Diese Schrift hat Denker darauf geführt und muß ferner Forscher erwecken, das Leben und Streben der bedeutenden Männer aus vier Jahrhunderten des Mittelalters und von denen ein nicht geringer Teil inden Städten Deutschlands, am Rhein, an der Donau, lebten, zu ergründen, ihre Schriften wissenschaftlich zu prüfen und ihre Methode zu studieren. — Die in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts nur spärlich bekannt gewordenen Responsen der babylonischen Lehrer stellte Zunz, soweit diese Rechtsgutachten rituelle Fragen berühren, zum ersten Male methodisch geordnet zusammen und gab damit ein Beispiel, das von dankbaren Schülern weitergeführt wurde. — Welch ein mustergiltiges Vorbild für die Lebensbeschreibung der alten Lehrer und Weisen ist nicht seine Monographie Raschi's! Welche Gedanken, welche Ausblicke in die Altertumskunde gewähren nicht die kurzen Abhandlungen und Beilagen über die Münzkunde, über die Namen der Juden, über das, was die Juden für die Erdkunde leisteten! In seinen kleinereil Schriften, in seinen Anmerkungen und Noten, da lagern so viele Perlen hart neben einander. Der rege Geist, der emsige Fleiß vermag es, die Schütze zu heben und zu verwerten. Zunz hat für Jahrhunderte hin Schule geinacht. Eine Frucht, und eine mittelbare Folge des Geistes, die Zunz verbreitete, sind diese theologischen Schulen der Neuzeit. Den Unterbau, auf welchem sich unser der Wissenschaft geiveihtes Lehrhails erhebt, bilden die Schriften dieses Meisters. Die jüdischen Gemeinden haben am 10. August Gott, dem Führer der Geschichte, ihren Dank dafür ausgesprochen/ daß er diesen Mann zur rechten Zeit erstehen ließ, als der Wissenschaft unseres Glaubens Achtung verschafft werden niußte, da die Jliden auch im bürgerlichen Leben den gleichen Pfad mit den andern Kindern des Landes ivaiideln sollten, zu einer Zeit, in der darum zu thun war, neue Geisteswaffeu zu bereiten, lim gegen Feinde und Gegner mit dem guten Stahle des Wissens und nicht mit verrostetem Eisen zu streiten. Und die Lehrhäuser Israels preisen den Herrn, daß er den Meister erweckte und vorschreiten ließ, dessen Methode in den neuen Schulen herrschen sollte, um diese ehrenvoll neben den andern große» Lehrhünseru der Wissenschaften stehen zu