Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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WT-- — 17 — zielenden Bestrebungen zu verbinden und so das Gefühl der religiösen Zusammengehörigkeit unter ihnen zu stärken und zu beleben wie es bei den Katholiken und Protestanten verschiedener Länder auch der Fall ist'? Allerdings haben sich gegen die jüdischen Mitbürger in Folge schn'erer wirtschaftlicher Krisen, unter deren Flagge Neid und Fanatismus hinsegeln, nngerechterweise wüste Stimmen erhoben, welche das öffentliche Leben und die öffentliche Meinung in Bezug auf die Juden zu vergiften geeignet sind, wodurch ihnen manche Erschwerung und Entbehrung in ihrer Eigenschaft als Staatsbürger geworden sind. Doch dadurch dürfen wir uns nicht verbittern lassen, da doch solche Zustände auch nicht von Dauer sein können, vielmehr müssen wir fortfahren, nach wie vor trotz Unbill und Verkennung unsere Pflichten voll und ganz zu erfüllen und unsere Thaten, sie sollen Zeugnis geben von jener aufrichtigen Liebe zum Vaterlande, die nicht durch Lohn erhöht und nicht durch Zurücksetzung herabgemindert werden kann. Mit Bedauern müssen wir es sehen, daß ein, wenn auch verhältnißmäßig geringer Teil der Juden in Deutschland sich ans Unverstand und aus völliger Unkenntnis der Verhältnisse einer Bewegung angeschlossen hat, die man nur dann überhaupt begreifen kann, wenn man auf ihren Ursprung und ihren Ausgangsgunkt hinweist. Im Osten Europas leben Juden in dichten Massen, die mit der Not des Lebens kämpfend, sich dem geistigen Ghetto nicht entwinden können. Diese armen Verblendeten, welchen sich im Studium der altjüdischen Lehre der Glanz eines jüdischen Reiches vor die Seele stellt, glauben fest und sicher, das; für sie die ersehnte Freiheit sich wieder in Palästina aufthun könnte, ohne zu bedenken, daß dort nur Roth und Elend ihrer harren. Auch ist es erklärlich, das; sich die trägen, an der Scholle haftenden Elemente leichter von derselben losreißen, ivenn man ihnen die Aussicht eröffnet, die Herrlichkeit Zions, die sie so oft in ihren Gebeten erflehen, bald schauen zu dürfen. So entstanden zuerst in Rußland nationaljüdische Vereine, die mit der Parole „ein neues Reich im alten Lande der Väter" hervortraten. Von dort verpflanzte sich diese Bewegung nach Österreich, dem an Nationalitäten reichen Lande. Daß diese Bewegung auch in Deutschland Eingang gefunden, ist nicht zu verwundern, wenn man bedenkt, daß in den letzten Jahrzehnten neben der antisemitischen Bewegung von außen, der Rückgang der Reformbewegung nach innen für derartige Bestrebungen einen guten Nährboden abgegeben. Denn darüber können die Klardenkenden nicht im Zweifel sein, daß der Unterschied zwischen der Orthodoxie und dem Neformjudentum darin besteht, daß während erstere den Stamm, die Nation, das Gesetz betont, letzteres die Religion, den Menschen, die Ethik in den Vordergrund, stellt. Nur durch Kräftigung und Hebung des Reformjudentums, wird es möglich werden, der Zionistischen Bewegung, die auch bereits unreife jüdische Studenten an deutschen Universitäten ergriffen hat, zu begegnen, die eine Gefahr in sich