Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 - schließt, die abzuwehren und abzuwenden jeder vernünftige Anhänger unserer Religion die Hand bieten muß, wenn anders die Strömung uns nicht über den Kopf wachsen soll, wie andere Bestrebungen auch, denen man anfangs kalt und gleichgültig gegenüberstand; besonders müssen wir durch Stärkung des religiösen Sinnes unserer Jugend im Geiste des Reformjudentums darauf bedacht sein, daß das National-Jüdische nicht zll sehr in den Vordergrund trete, und daß nicht unter der Fahne jüdisch-wissenschaftlicher Stndentenvereine Propaganda für's Nationaljudentum getrieben und ein Rassengeist gepflegt werde, der keine Berechtigung hat, denn daß die Juden einer Rasse entstammen, wagt bei dem Stande der Wissenschaft heute Niemand ernstlich zu behaupten. Anstatt der Utopie eines Sonderreiches in Palästina nachzugehen, mögen die Juden mit. den andersgläubigen Mitbürgern wetteifern in Thaten des Rechtes und der Liebe und das Wohl des Staates nach wie vor fördern in welchem sie leben und die Zeit herbeisühren helfen, wo alle Erdbewohner dem Namen Gottes die Ehre geben und das wahre Gottesreich begründen.. Erfreulich ist, daß die Judenheit in Böhmen zu der Frage der Zionistischen Bewegung, soweit sie über die Idee der Colonisation hinausgeht, gegen die sich nichts sagen läßt, abwehrende Stellung nimmt-, die Herr Rabbiner Dr. Stern in Saaz in der von ihm redigirten Monatsschrift „Die jüdische Chronik" zu Ausdruck bringt. Es ist dies um so erfreulicher als die Galizische und Russische Journalistik fast ganz in Diensten der Zionistischen Bewegung steht und auf die Massen einen Einfluß auszuüben beginnt, der nicht unterschätzt werden darf. Ist es ja so weit gekommen, daß man die herrlichsten, erhabenendsten Sätze tit unfern Gebeten im Interesse dieser Bewegung zu fälschen beginnt, wie dies im „Wecker" (N. 22, 1894) geschehen, wo das Gebet am Neujahrsfeste „Und sie alle Menschen sollen bilden alle einen Bund" widergegeben wird mit: „Alle Juden sollen machen einen Bund." Wonatsschau. Das in Mainz erscheinende „Katholische Bolksblatt" schreibt: Der Besitzer der Glasfabrik in Bürmoos, Herr Ignatz Glaser, hat als Israelit für seine christkatholischen Arbeiter, welche aus Mangel an Zeit die weitentfernt gelegenen Kirchen nicht besuchen können, ein selten dagewesenes edles Werk gethan. Er hat nämlich für diese Arbeiter eine sehr schöne Capelle erbauen und vollständig einrichten lassen. Diese Capelle wurde am 2. September durch den Herrn Dechant Anton Keil eingeweiht. — Die Stadtverordneten in Mainz lehnten die Hergabe eines Platzes für ein Heine-Denkmal ab'. — In Homburg v. d. H. wurde Herr Wolf Ackermann zum Mitglied des Magistrats ernannt. — In