Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Wahrheit, lautere Wahrheit, da entsprechen die Worte den Gedanken, die Gebete den Gesinnungen, da erkennet ihr überall kappaus t’morim, die aufstrebende Palme, das Sinnbild der Wahrhaftigkeit. III. Die dritte Frucht, die unser Text uns nennt, ist anal ez owaus die Myrthe, das Sinnbild der Treue, und Treue, m. A., unwandelbare Treue gegen den angestammten Glauben vernehmen wir auch aus jedem Blatte unseres Gebetbuches. Wohl sind aus ihm alle Stellen entfernt, die unserem Denken und Fühlen nicht mehr entsprechen, wohl ist alles in ihm ausgemerzt, das einen Gegensatz bildet zwischen den Gedanken unseres Geistes und den Worten unseres Gebetes. Mag man immerhin deshalb von seiten verblendeter Fanatiker des Treubruchs uns beschuldigen, des Treubruchs gegen den Glauben der Väter, wir lassen uns nicht beirren, denn wir wissen: wir haben die Treue nicht gebrochen und die Liebe nicht verletzt, die uns eint mit dem Gotte Israels; wir wissen, daß es nicht gelingen wird, an keiner einzigen Stelle unseres Buches gelingen wird, den Treubruch nachzuweisen, dessen man es beschuldigt. Findet ihr nicht gerade umgekehrt auf jedem Blatte und auf jeder Seite Worte heiliger Begeisterung und warmherzigen Empfindens, ans denen ihr allüberall nur das Eine herauslest: Treue gegen Gott, Treue gegen unser angestammtes Bekenntnis! Ja noch mehr, m. A., was ihr in keinem anderen Buche findet, in dem unsrigen tritt's euch entgegen: Alle diejenigen Stellen, welche die Grundlehren des Judentums zum Ausdruck bringen, sei es die Einheit Gottes, sei es die messianische Zukunft Israels und der Allmenschheit, ihr findet sie nicht allein im hebräischen, sondern auch im deutschen Teile in der Ursprache wieder, und so wird doppelt gekräftigt und doppelt gefestigt, was uns das Herz erfüllt und bewegt: die Treue gegen Gott, die Treue gegen unseren Glauben. Schon auf den ersten Blättern könnt ihr auch im deutschen Teile es lesen: 8oü'ma jisroel adonoj elohenu adonoj echod. Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einziges, ewiges Wesen. Und weiter: Heilig, heilig, heilig ist der Ewige der Heerscharen; voll ist die ganze Erde seiner Herrlichkeit! Der Ewige regiert ewiglich, dein Gott, Zion, durch alle Geschlechter. Hallelujah! Und endlich: Einst wird der Ewige König sein über die ganze Erde, an jenem Tag wird Gott der Eine sein und sein Name der Einzige. Sagt, m. A.. kann die Treue gegen unser angestammtes Bekenntnis rührender und inniger, schöner und erhebender, ernster und feierlicher zum Ausdruck kommen, als in diesen auch im deutschen Teile in der Ursprache wiederkehrenden- Stellen unseres neuen Gebetbuches? O, gewiß, ihr fühlt und erkennt es mit mir: Wie die Myrthe, das Sinnbild der Treue, ein herrlicher Schmuck ist in unserem Feststrauße, so fehlt auch die Treue nicht in unserem Buche.