Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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" / " . - "_v-- . v -; -TM 11 zu läutern, euer religiöses Empfinde» zu veredeln. Gott aber möge mit uns sein bei unserer Betrachtung und sie segnen an uns, damit sie uns zum Heile gereiche. I. In dem Feststrauße, mit welchem wir heute voll freudiger Dankbarkeit an dieser Stätte erscheinen, bemerken wir vor allem p’ri ez hodor, Frucht vom herrlichen Baume; das ist der Esrog, meine Andächtigen. Schon unsere Weisen bezeichnen ihn wegen seiner Anmut und seines lieblichen Duftes als das Sinnbild der Schönheit, das unser Auge erfreut und unser Herz erquickt. Und Schönheit, Formvollendung der Sprache, in welcher Anmut und Innigkeit sich paaren, sind auch der erste herrliche Vorzug, der bei unserem Gebetbuch uns entgegentritt. Wohl enthält auch die alte Tefillah kostbare Schätze, wertvolle Perlen,. die von glutvoller Innigkeit und warmem Empfinden zeugen und die deshalb auch in unserem Buche wiederkehren, aber dies gilt nur, soweit der hebräische Wortlaut in Betracht kommt. Sobald ihr jedoch in den Gebetbüchern der alten Richtung den deutschen Übertragungen^) euere Aufmerksamkeit zuwendet, wird ein kalter, fremder Hauch euch entgegenwehen. Denn, m. A., das sind keine formvollendeten, selbständigen Gebete mehr, das ist nicht mehr der Ausdruck eines mit- Innigkeit in seiner Muttersprache an seinen Gott sich wendenden Menschen, sondern das sind nur sclavische Übertragungen aus einer fremden Sprache, deutsche Worte und doch fremde Klänge, deutsche Laute und doch fremde Art! Aus jeder Zeile lesen und fühlen wir heraus: man hat nur dem Buchstaben, aber nicht dem Geiste nach übertragen, man hat Worte geschaffen, aber keine Seele ihnen eingehaucht. Und Gebete, m. Andächtigen, können nur dann zum Herzen dringen, wenn sie von Herzen kommen; ihre Sprache kann nur dann mächtig unser Innerstes ergreifen, wenn sie aus unserem lebendigen Sprachgefühl und Sprachbewußtsein frisch wie ein sprudelnder Quell sich ergießt. Da muß alles urwüchsige Naturkraft atnien, voll Mark und Stärke, und dann wieder herzliche Innigkeit, voll Gemüt und Tiefe des Gefühls. Und all' dieses findet ihr in unserem neuen Gebetbuche verwirklicht. Wie der Esrog in der Schrift p’ri ez hodor, Frucht vom herrlichen Baume genannt wird, so stellen sich uns die deutschen Gebete unseres Buches dar als ausgereifte Früchte an dem herrlichen Baume unserer Muttersprache. Ihnen haftet nicht jenes matte und schwächliche Wesen an, wie wir es bei allzu ängstlichen Übertragungen aus der Ursprache nur zu oft beklagen müssen. Nein, sie *) Wir haben dabei gerade die am meisten verbreiteten Gebetbücher mit deutscher Übersetzung im Auge. Bücher, wie z. B. das Sachs'sche, deren deutschen Übertragungen auch wir die verdiente Anerkennung nicht versagen, haben nur in verhältnismäßig kleinen Kreisen Eingang gefunden.