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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-01-01 · Heft 1 (1.1.1895) · p. Seite 7

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 1 (1.1.1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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sich dort kalt oder kühl berührt. Zuerst von. der hebräischen Sprache. Sie ist nicht die ihre, nicht die unsere. Geschichtlich ist sie erklärlich, wissenschaftlich berechtigt. Aber so wenig der christliche Religionsschüler griechisch lernt,., so wenig in deutschen Kirchen griechisch gebetet wird, obschon das neue Testament in dieser Sprache abgefaßt ist, so wenig den Protestanten die lateinischen Litaneien der Katholiken ansprechen, so wenig passen für uns Deutsche jüdischen Bekenntnisses jetzt noch hebräische Gebete. Und es ist nicht bloß die unfern Herzen fremde Sprache, in der Kindheit'mit Mühe erlernt und meist bald wieder vergessen, die uns anmutet, wie eine Verkleidung, wie eine phantastische Rückversetzung des Geistes in ferne Jahrtausende, die uns ansinnt, unsere Gefühle und Gedanken in das Prokrustesbett einer längst vergangenen Zeit und Sprache einzuzwängen — es sind auch viele der in dieser Sprache überlieferten Gebete, die zurückschrecken. Die Probe daraus bieten die wörtlichen Übersetzungen, bieten viele, im hebräischem Gebetsstyl verfaßte deutsche Gebete, z. B. die für den Freitagabend- und Sonnabend-Gottesdienst bestimmten im Joel'schen Gebetbuch, die tute kalte Wasserstrahlen auf den.Hörer wirken. Was sollen „die heut hierher kamen um Gottes Wort zu vernehmen" aus der Vorlesung eines Bibelabschnittes über Opfer an „guten Vorsätzen" fürs Leben-mit nach Hause nehmen, wie läßt sich solches Gebet rechtfertigen? Fürwahr, uian möchte Savignys bekanntes Wort über moderne Gesetzgebungskunst auch auf moderne Gebetsverfassüngskunst anwenden! - Aber der Grund für diese Schwierigkeit. liegt tiefer: Gebete für unsere Zeit müssen kurz, modernen Empfindungen angemessen sein. Sind das viele unseres alten, auch in Neubearbeitungen beibehaltenen Gebetbuchs? Neben schönen, ehrwürdigen, innigen Gebeten finden wir da solche, die unserem Empfinden zuwiderlaufen. Ich spreche nicht blos von den Opfer- und Rückkehrgebeten, obwohl dieselben in vielen der neueren Gebetbüchern nur halst, nur teilweise beseitigt sind — ein Beweis dafür, daß das ganze hebräische Gebetbuch von der Sehnsucht nach dem altpalästinensischen Tempel- und Opferkult durchweht ist, mit ihr steht und fällt. Ich spreche auch nicht blos von der, diesem alten Gebetbuch eigentümlichen und daraus gleichfalls in Neubearbeitungen nur stellenweise, nicht gänzlich beseitigten Berühmung mit der Erwählung — einem Chauvinismus übrigens, der in ähnlicher Weise auch im alleinseligmachenden Katholicismus, in der orthodoxen protestantischen Auffassung, daß ohne Christi Blut und Gnade Keiner selig werde, zu finden ist. Als eines der wichtigsten Gebete gilt das Achtzehnbez. Sieben-Gebet. Gewiß, es enthält sehr schöne, auch heute noch anmuthende Stellen, wie im Wochengebet den Dank für die Begnadung niit Verstand — ein Gebetstück von tiefster Bedeutung, sowohl für die Vergangenheit und die Wertschätzung! seiner Verfasser, als vor Allem für di.e Gegenwart. Ja, aber auch mit Verstand beten.! Auch

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