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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-01-01 · Heft 1 (1.1.1895) · p. Seite 6

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 1 (1.1.1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 muß: ein sittlicher, das Herz erhebender, den Kopf befriedigender, für's Leben Nachhaltig wirkender. Aller Orten fast müht man sich in Lehrerkreisen um die Frage: wie ist der jüdische Religionsunterricht einzurichten? Er ist von selbst.aus nur wenige Stunden beschränkt, aus äußeren Gründen, weil die Schnle im Übrigen die volle Zeit in Anspruch nimmt; aus inneren, weil hier weniger mehr ist, weil der Religionsunterricht, der dem Kinde seine Mußestunden entzieht, ihm dafür Ersatz geben muß durch die innere Freudigkeit, die er ihm in seinem Stoff, seiner Form — und nicht zuletzt in seiner weisen Beschränkung — der Zeit, auch im Verzicht auf Gedächtnißwerk und auf Hausaufgaben bietet. Bei dieser notgedrungenen Beschränkung auf tvenige Stunden kann der jüdische Religionsunterricht wohl gedeihlich wirken, wenn er das Hebräische ganz ausschließt, den Haupttvn auf die Sittenlehre legt, deren Quellen ja in Propheten und Sprüchen der Väter so reich fließen, aus der Bibel nur die schönsten, sittliche Belehrung bietenden Abschnitte giebt, und für das reifere Alter jüdische Geschichte — unter vorzugsweiser Betonung der Culturgeschichte — und jüdische Altertumskunde hinzufügt. So kann dem Heranwachsenden Geschlechte nachhaltig Liebe zum Judentum und Sinn und Verständnis für dasselbe eingeflößt werden, so wird ihm die Überzeugung eingeprägt, wie das Judentum keine in seinen sagenhaften biblischen Überlieferungen, keine in seinem ersten Reformwerk: dem Talmud, abgeschlossene, sondern eine im Laufe der Jahrtausende aus den Culturen aller Zeiten zu immer höherer Feinheit fortentwickelte, allerdings schon vor und zu der Entstehungszeit des Christentums auf Gotteinheit, Sittlichkeit und Menschenliebe festbegründeten gewesenen Religion ist. Weniger wäre mehr! Das gilt vor allem von unserem Gottesdienst mit seinen zahllosen Gebeten, deren unendlichen Wiederholungen, den vielen Festen. Man klagt, daß die Gotteshäuser leer sind, daß cs trotz der schönen Gesänge-, trotz der Orgelklänge, trotz der eingeschobenen deutschen Gebete, trotz der geistvollen Predigten, an Besuchern, und selbst unter diesen an Andächtigen fehle. Ist diese Klage begründet? Ja und nein! Sie nimmt ab und stirbt aus, die verhältnißmäßig kleine Zahl — der Überrest wie es in anderem Sinn in vielen Gebeten unzutreffend von den jetzt gegen einst an Zahl gewachsenen Glaubensgenossen heißt — der gewohnheitsmäßigen, alltäglich früh und nachmittags, oder auch nur allsabbatlich die Synagoge Besuchenden. Viele von ihnen mögen es aus innigem Drange, mit herzlicher Befriedigung gethan haben und' thun. Aber zunimnit in geometrischem Verhältnisse die Zahl der Fernbleibenden, und auch von ihnen mögen Viele aus innerem Drange und mit herzlicher Befriedigung fernbleiben. Denn sie finden

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