Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 von Unterricht sind. Viele werden behaupten, daß das Eröffnen der Synagoge am Sonntage, den eigentlichen Sabbat noch mehr in Vergessenheit bringen wird, aber die Beweise haben gelehrt, daß das nicht der Fall ist. Es ist im Gegenteil die einzige Möglichkeit, nnsern Zweck, einem weiten Kreis die Lehre des Judentums zugänglich zu machen, zu erreichen. Die offene Synagoge würde außerdem manchem, der nicht zu unserer Gemeinde gehört, Gelegenheit geben, das Wort Gottes aus dem Munde eines jüdischen Predigers 'zu hören und auf diese Weise manches böswillige Vorurteil, manchen Irrtum über das Judentum zerstören. Irornme Wünsche. Von R.-A. Emil Lehmann in Dresden. Seit Jahrzehnten wird die Frage behandelt: soll die notwendige Reform des Judentums, der Gebete, des Gottesdienstes, bei der Jugend beginnen oder bei den Erwachsenen? Namhafte Männer vermeinten, sie können mit der Religivnsschule anfangen und bildeten sich wirklich ein, sie hätten dort durch einen freisinnigen Religionsunterricht den Grund gelegt für eine Religionsanschauung des Heranwachsenden Geschlechtes, in moderner zeitgemäßer Richtung. Das Geschlecht wuchs heran — der Gottesdienst blieb in der Hauptsache, von kleinen Abänderungen abgesehen, beim Alten, und infolge davon nahm die Zahl seiner Teilnehmer mehr und mehr ab. Sagt man: hinweg mit den hebräischen Gebeten, der dentschgeborene, mit den ersten Mutterlanten im deutschen Vaterlande deutsch zu hören und zu sprechen Gewöhnte, kann unmöglich das, was ihm das Herz ins Tiefste bewegt, was sein sittliches, sein religiöses Empfinden knndgeben soll, wahrheitsgemäß und in sich selbst überzeugender und ergreifender Weise anders als in deutscher Sprache von sich geben und auf sich wirken lassen: wird dagegen — hier auf die Alten, dort auf die Jungen hingewiesen. Auf die Alten, weil sie an das Hebräische gewöhnt seien und ihnen dessen Beseitigung etwas Liebgewordenes, Altgewohntes, in der Kindheit Anerzogenes nehmen würde; auf die Jung e n, weil ihnen die geforderte Beschränkung des Religionsunterrichts auf Deutsches, der gewünschte Ausschluß des Hebräischen die Möglichkeit entziehe, mit Berständniß am Gottesdienst der Alten teilzunehmen. So bewegt man sich in dieser, wie in anderen, das Judentum betreffenden Fragen fortwährend im Kreise, kommt nicht von der Stelle, weil man die einander widersprechendsten Einwendungen geltend macht und durchsetzt. Das trifft, wie bei der Gebetsprache, auch bei dem Gebetinhalt, bei der geschichtlichen Auffassung des Judentums zu. Der gebildete, denkende und mit den