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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-01-01 · Heft 1 (1.1.1895) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 1 (1.1.1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 / Der Geschäftsmann ist vor die Alternative gestellt: Sabbatruhe und vielleicht Bankerott, oder kein Sabbat und geschäftlichen Erfolg. Die Meisten haben Verantwortlichkeiten und Verbindlichkeiten auf sich, die sie vielleicht ebenso verpflichten wie die religiösen Forderungen. Der jüdische Handwerker kann sogar nur wählen zwischen Sabbatfeier und Subsistenzmitteln für sich und die Seinen. Soll ein Mensch seine Pflichten gegen seine Familie vernachlässigen, um einer religiösen Form zu genügen? Denn als solche kann man den Sabbat im Grunde nur betrachten. Keiner glaubt, daß Gott ein solches Opfer von ihm verlangt; und so existirt der Sabbat für ihn nur dem Namen nach. Schon seit einem Jahrhundert ist die Bedeutuug des Sabbats im Abnehmen und gleichzeitig der religiöse Eifer. Man that nichts, um dem Übel zu steuern und so nahm es seinen Verlauf. Man versuchte einen Freitag- Abend-Gottesdienst einzuführen; aber wie konnte man erwarten, daß er Zuspruch haben würde von Leuten, die nach zwötfstündiger Arbeit ermüdet eher das Bedürfnis der Ruhe als der religiösen Erbauung fühlen. Wir haben mancherlei heilsame Reformen gehabt, aber sie verfehlten ihren Zweck, weil sie das Übel nicht bei der Wurzel angriffen. Was nützte die Reform der Sabbatfeier, wenn Niemand ihr beiwohnte. Während die Leute mit Geschäften und Broterwerb zu thun haben, ist ihr Sinn nicht auf Gebet und göttliche Lehre gerichtet. Wenn also durchaus am siebenten Tage gearbeitet werden muß, so gebe man den Leuten Gelegenheit zur Andacht und Belehrung zu einer Zeit, wo sie geneigt sind, dieselbe zu empfangen. Ich. glaube, unsere alten Rabbinen hätten das Übel in gleicher Weise geheilt. Sie. wollten jederzeit einen täglichen Gottesdienst eingeführt wissen, damit ein Mann, dem es nicht möglich ist, ihm beizuwohnen, es an einem andern thun kann. Es wurden auch Montag und Donnerstag gottesdienstliche Übungen mit Erklärungen der heiligen Schrift eingesetzt, weil wegen des Marktes, der an diesen Tagen - abgehalten wurde, viel Volk vom Lande in die Städte kam. Sonntag ist der allgemeine Ruhetag. An diesem Tage ist jeder von Geschäften frei und im Stande, höhern geistigen Interessen nachzugehen. Es ist-er einzige Tag, an welchem ein derartiger Anspruch an die größeren Massen gestellt werden kann. Man hat den Einwand erhoben, daß eine derartige Einführung so viel wie eine Hineigung zum Christentum bedeuten würde. Das ist aber nicht der Fall. Wenn wir Sonntagsandacht einführen, weil die andern Tage keine Zeit dazu lassen, so heißt das durchaus nicht, daß wir den Sonntag als jüdischen,. historischen Sabbat betrachten. Kein aufgeklärter, vernünftiger Mensch kann und wird den Wert gemeinschaftlicher Andacht und Belehrung danach bemessen, an welchem Tage sie Gott dargebracht werden. Also warum nicht an Sonntagen, wo die Männer keine Geschäfte treiben, die Frauen keine Einkäufe zu machen haben, wo die Kinder frei •i ■M ■M •I 1 > % -W 'M

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