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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-01-01 · Heft 1 (1.1.1895) · p. Seite 2

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 1 (1.1.1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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£■: &'* * zurückgeführt werden. Wie die Schule, in welcher gute Bürger erzogen werden, Vas wahre Leben eines Volkes in sich faßt, so ist das Haus, in welchem Glaube, Gottesfurcht, Gerechtigkeit und Nächstenliebe gelehrt werden, das eigentliche Leben det'Religion und hierin liegt zugleich das Heilmittel für die unheilvollen Zustände, in denen wir uns befinden. Wie leicht ist dieses Heilmittel zu gebrauchen! Wir 'haben Gemeinden, Synagogen, Tempel; wir brauchen nur das Volk zu gemeinsamem Gebet und zu gemeinsamer Belehrung zu versammeln, um in ihm religiöses Gefühl Md religiöse Andacht zu erwecken und gleichzeitig jene Begeisterung, die uns in dem Kampf für das Judentum eine heilige Mission erblicken läßt. So weit ist uns alsoder Weg, den wir einzuschlagen haben, klar. Die praktische Frage ist nur die, festzustellen, wann das Alles gethan werden kann, wann ist eine derartige öffentliche Belehrung ausführbar, wann würde sie die besten Friichte tragen. Ich frage nun, woher kam es, daß man gerade den Sonnabend für Andachtsübungen und für Belehrung in der Synagoge bestimmt hat. Keine biblische Verordnung befiehlt .dieselben für den Sabbat. Dieser war nur als Ruhetag eingesetzt und als solchen hielt ihn auch das Volk, so lange cs ihn als den Tag des Herrn heilig betrachtete, an dem jede Arbeit streng untersagt war. Weil nun das Volk auf diese Weise einen Dag vollständiger Muße hatte, an welchem es auch alle weltlichen, besonders geschäftlichen Arbeiten ruhen ließ, war es ganz natürlich, daß dieser Tag der Andacht und Belehrung geweiht wurde. Ich halte den siebenten Tag der Woche für den .historischen Sabbat nicht nur des Judentums, sondern der Welt.. Ich beabsichtige nicht, den jüdischen Sabbat vom Sonnabend auf den Sonntag zu verlegen, denn die historische Tatsache könnte ja doch weder durch die Ansicht oder Befürwortung eines Einzelnen eben so wenig geändert werden, wie wenn Concilien oder Vereine ein neue. Ordnung der Dinge einführen wollten. Was auch die Zukunft bringen mag, so bleibt doch der siebente Tag der historische jüdische .Sabbat und wir sollten ihn als solchen halten, wie wir eben können, mindestens »her unsere Synagogen in altgewohnter Weise denen zur Andacht öffnen, die kommen wollen. Wir sollten nie ermatten in unfern Bemühungen, die Heilighaltung des Sabbats zu betonen, weil wir dadurch das Judentum im Ganzen fördern. Wenn aber das Alles noch keinen Erfolg hat, dann sollten wir mehr für unsere heilige Sache thun. Historisch und nominell also ist der Sabbat der Tag der Ruhe und -Andacht für die Juden. Ist er es aber in Wirklichkeit? Wir wissen recht wohl, haß nur ein kleiner Bruchteil den Sabbat hält. Für den größten Teil der Juden ist. er ein Tag der Arbeit, für viele der bewegteste und anstrengendste Tag der Woche. Von den 125000 Juden der City von Rew-Iork hält kaum ein Zehntel den Sabbat heilig. Was thun die Anderen? Die gegenwärtigen geschäftlichen Zustände haben den Sonnabend zu dem wichtigsten Geschäftslage der Woche gemacht.

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