Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 282 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969795-2969808--4032-2973595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
282 36— 38,000 Mark betragenden Nachlasse behufs Errichtung eines Asyls für unbemittelte, erwerbsunfähig gewordene jüdische Lehrerinnen gemacht hat. — Der Kaufmann Herr Josef Heymann in Berlin, Inhaber der bedeutenden Getreidefirma M. Neufeld & Co., hat aus Anlaß feiner silbernen Hochzeit dem Magistrat den Betrag von 10,000 Mark übersandt. Die Verwendung dieser Summe soll derart stattfinden, daß 20 Ehepaare ohne Unterschied des Glaubens, welche 25 Jahre verheirathet und hilfsbedürftig geworden, aber der öffentlichen Armenpflege noch nicht verfallen sind, und denen damit eine Hilfe geschieht, mit je 500 Mark bedacht werden sollen. — Der außerordentliche Professor Herr Dr. Behrend Pick in Zürich ist zum dritten Beamten an der herzoglichen Bibliothek und zum zweiten Beamten am Münzkabinet in Gotha unter Verleihung des Dienstprüdikats Professor und Bibliothekar ernannt worden. — In Schneidemühl wurde ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur ins Leben gerufen. — In Berlin wurde von Seiten der Gemeinde eine Religionsschule eröffnet, die unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Weiße steht. — Unter den schriftlichen Aufgaben bei der diesjährigen theologischen Anstellungsprüfung in der Pfalz war nach der „Allg. luth. Kirchenzeitung" für die Ethik als Thema gegeben: „Die rechtliche Stellung des Christen zu dem Judentum und zu den einzelnen Juden ist darzulegen und zu erörtern, wie der sogenannte Antisemitismus in seinen verschiedenen Schattirungen vom Standpunkte der christlichen Ethik und nach den in der hl. Schrift gegebenen Winken zu beurteilen sei." — Im Alter von 102 Jahren ist jüngst der Handelsmann Herr Tobias Cohn nach kurzem Krankenlager als ältester Einwohner von Frankfurt a. O. gestorben. — Gelegentlich der Anwesenheit des Erzbischofs Dr. v. Stablewski aus Posen in Bromberg stattete auch der Herr Rabbiner Dr. Walter daselbst dem Kirchenfürsten einen Besuch ab. Nachdem Herr Dr. Walter in seiner Ansprache darauf hingewiesen, daß der Herr Erzbischof wiederholt die geistlichen Vertreter jüdischer Gemeinden in huldvollster Weise empfangen, entgegnete derselbe: Es freue ihn, daß Herr W. ganz besonders dies betont habe. Sodann fuhr der Kirchenfürst fort: „Uns verbinden ja gemeinsanie Schicksale und Leiden. Auch verbinde die verschiedenen Confessionen manches Gemeinsame; dies muß mehr betont und hervorgehoben werden. Den Vertretern aller Confessionen liegt es ob, gemeinsam auch gegen die Sozialdemokratie vorzngehen. Ich habe mich nach dem Verhältnisse der einzelnen Confessionen in hiesiger Gegend erkundigt nnd erfahren, daß dieses ein annehmbares sei. Es handelt sich darum, die bestehende Einigkeit nicht allein zu erhalten, sondern auch zu vervollkommnen." — Das israelitische Waisenhaus für Oberschlesien wurde in Rybnik in glänzender Weise eingeweiht. Den Grundstock zu der Anstalt legten Herr Ferdinand Haasc in Rybnik durch Schenkung eines Bauplatzes mit Gartenterrain und 20000 Alk. und Herr Ferdinand Schlesinger in Berlin durch eine Spende von 10000 Mk. — Aus Kattowitz wird berichtet, daß die dortige Schuldepntation einen Lehrer jüdischer Confession, Herrn Dr. Fischer, zum Rektor der höheren Mädchenschule, einer Simultanschule, gewählt habe, was verschiedene christliche Familien veranlaßte, bei der Regierung in Oppeln Protest gegen die Wahl eines jüdischen Rektors zu erheben und zu bitten, dieser Wahl die Bestätigung zu versagen. — Zu der Schuleinweihung, welche die Stadtverwaltung in Gleiwitz feierte, war außer den beiden christlichen Ortsgeistlichen auch Herr Rabbiner Dr. Münz eingeladen worden. Bei dieser am 10. Oktober stattgehabten Feier sprach auch Herr Dr. Münz ein Weihegebet. — Am Anfang dieses Jahres gab es in Berlin beim Kammergericht 18 christliche