Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-12-01 · Heft 12 (1.12.1893) · p. Seite 281

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 12 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 281 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969808--4031-2973594
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

281 gesehen der bürgerlichen Gesellschaft in Widerspruch stehen, also fortschrittsfeindlich sind. Daher auch die Unterstützung, die der Antisemitismus vorzugsweise bei Junkern und Pfaffen findet. Der einseitige Kampf des Antisemitismus gegen das jüdische Ausbeutertum muß nothwendig erfolglos sein, weil die Ausbeutung der Menschen durch den Menschen keine speziell jüdische, sondern eine der bürgerlichen Gesellschaft eigentümliche Erwerbsform ist, die erst mit dem Untergang der bürgerlichen Gesellschaft endigt. Da nun die Sozialdemokratie der entschiedenste Feind des Kapitalismus ist, einerlei ob Juden oder Christen seine Träger sind, und da sie das Ziel hat, die bürgerliche Gesellschaft zu beseitigen, indem sie die Umwandlung derselben in die sozialistische Gesellschaft herbeiführt, wodurch aller Herrschaft des Menscheu über den Menschen ein Ende bereitet wird, bekämpft die Sozialdemokratie den Antisemitismus als eine gegen die natürliche Entwickelung der Gesellschaft gerichtete Bewegung." Der erste Jahresbericht des Vereines für jüdische Geschichte und Litteratur in Köln ist gedruckt erschienen und legt ein schönes Zeugnis von der segensreichen Thätigkeit des jetzigen Vorstandes, an dessen Spitze Herr Rabbiner Dr. Frank steht, ab. Es wurden im Ganzen (feit dem 4 Januar 1892) 84 Vorträge gehalten, darunter 8 öffentliche. Alle behandelten, der Tendenz des Vereins entsprechend, Themata aus der jüdischen Litteratur- und Culturgeschichte. Die Mitgliederzahl ist auf 500 gestiegen. Der Jahresbeitrag ist 6 Mark. Ein besonderes Lesezimmer soll demnächst eingerichtet werden. —- In Friedberg hat sich ein Verein gebildet zur Erhaltung jüdischer Altertümer. Der Verein hat das in der Jndengasse gelegene „Judenbad" angekauft und beabsichtigt dasselbe restaurieren zu lassen. — Im Mendelssohn-Verein zu Elberfeld hielt Herr Rabbiner Dr. Grünfeld aus Bingen einen Vortrag über „Spinoza und Sabbatai Zewi, zwei jüdische Gegner des Judentums im 17. Jahrhundert". — Die Provinzialsynode in Berlin nahm mit großer Majorität einen Antrag Platte an, bei der Revision des kirchlichen Zuchtgesetzes besonders darauf Bedacht zu nehmen, durch welche Maßnahmen der Neberhandnahme christlich-jüdischer Mischehen wirksamer als bisher Einhalt geboten werden könne. — Am 7. Oktober wurde der siebzigjährige Geburtstag des Herrn Ignatz Creizenach in Frankfurt a. M. gefeiert. Biele Deputationen waren erschienen um dem ausgezeichneten Manne, der in Stadt und Gemeinde sich Verdienste erworben, zu begrüßen. — In Seesen an der Jacobsonschute feierte Herr Lehrer Gürbich sein fünfzigjähriges und Herr Lehrer Gerson sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum. — Der Freisinnige Verein für jüdisches Gemeindeleben in Frankfurt a. M. hielt am 9. Oktober 1893 eine ordentliche Hauptversammlung ab. — Am 29. September wurde die neuerbaute Synagoge in Aschaffenburg im Beisein der Vertreter der Stadtbehörden eingeweiht. — In Aschaffenburg kam es beim Gottesdienste am Versöhnungstage zu einem Streite zwischen dem Rabbiner und der Gemeindeverwaltung, weil letztere dem ersteren das Vorbeten des Neilah-Gebetes untersagte. Trotzdem unternahm es der Herr Rabbiner sich an den Pult zu begeben, um vorzubeten, obschon der Platz vom bestellten Vorbeter besetzt war. Der Vorstand wies den Rabbiner zurück, worauf dieser die Synagoge verließ und mit zusammengelesenem Minjan das Neilahgebet zu Hause verrichtete. Für jeden Fall ist die Gemeindevertretung im Unrecht, denn das Vorbeten des Neilah-Gebetes gehört zu den Rechten des Rabbiners und ist der Versöhnungstag zu solchen Demonstrationen nicht geeignet. — Der Breslauer Synagogen-Gemeinde ist die landesherrliche Genehmigung zur Annahme der Zuwendung erteilt worden, welche ihr der verstorbene Rentier Herr Julius Bruck in,' Wege der Erbeinsetzung mit seinem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.