Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 280 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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28Ö — Ms gegen die leichtfertige oder böswillige Verallgemeinerlmg, mit der Vergehen einzelner Juden einer jüdischen Gemeinschaft zur Last gelegt werden!" — Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens iit Berlin versendet den folgenden Aufruf zur Veröffentlichung: „Zum ersten Male tritt der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an alle diejenigen deutschen Juden heran, die aus der Roth der Zeit die Erkenntnis geschöpft haben, daß es unsere Pflicht sei, endlich im Lichte der Oeffentlichkeit Selbstvertheidigung zu üben. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sich vornehmlich folgende Ziele gesteckt: er will gegenüber den Anfeindungen, denen die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ausgesetzt sind, die staatsbürgerlichen Rechte der Juden wahren und in den Juden selbst das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem deutschen Volke trotz aller Verhetzungen nicht verkümmern lassen. Durch Wort und Schrift, durch öffentliche Versammlungen und Vorträge will er den Einzelnen mit den Waffen ausrüsten, die ihn befähigen, den aufgedrungenen Kampf im Geiste der Wahrheit zu bestehen; er will durch alle Mittel der Oeffentlichkeit Freund und Feind aufklären über das Wesen des Judentums, über das Denken und Empfinden der Juden im deutschen Reiche. Er wird insbesondere ein ständiges Bureau unterhalten, das für alle Abwehrbestrebungen den nothwendigen Mittelpunkt bilden soll. Dieses Rechtsschutzbureau soll überall, wo Juden um ihres Judentums willen Beeinträchtigung oder Zurücksetzung erfahren, mit allen gesetzlichen Mitteln — Vorstellungen, Klagen, Strafanträgen, Petitionen u. s. w. — dem bedrohten oder verletzten Rechte zu Hilfe kommen. Der Beitritt zu unserm Verein erfolgt durch eine Erklärung an den Unterzeichneten Vorstand, mit Zeichnung eines jährlichen Beitrags (nicht unter 2 Mark). Einmalige Beiträge zur Bestreitung der Kosten für die ersten Einrichtungen sind dem Belieben des Einzelnen anheimgestellt. Auf den Beitritt erfolgt umgehende Zusendung aller unserer Veröffentlichungen. Wir fordern alle deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens auf, sich unseren Bestrebungen anzuschließen. Mit der Vertheidigung unserer Gleichberechtigung kämpfen wir für das höchste Gut der Menschheit, für die heiligsten Interessen unseres deutschen Vaterlands! Der Vorstand des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin, Kronenstr. 22, II." — In dem in Berlin gegründeten liberalen Wahlverein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde hielt Herr Justizrat Makower einen Vortrag „Ueber die nächsten Aufgaben der Berliner jüdischen Gemeinde." Mach demselben betrug die Zahl der steuerzahlenden Mitglieder etwa 14500 und etwa 80000 jüdische Seelen. Er verlangt die Ausarbeitung eines neuen Gebetbuches, Uebernahme der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Organisation des Rabbinats durch Creirung einer Oberabbinerstelle und eine mindestens 12 Jahre andauernde Wirksamkeit des Gemeindepräses. — Auf dem in Köln abgehaltenen sozialdemokratischen Parteitag gelangte folgende von Bebel zu Punkt 7 der Tagesordnung: „Antisemitismus und Sozialdemokratie" beantragte Resolution zur Verteilung: „Der Antisemitismus entspringt der Mißstimmung gewisser biirgerlicher Schichten, die sich durch die kapitalistische Entwickelung bedrückt finden und zum Teil durch diese Entwickelung deni wirthschaftlichen Untergang geweiht sind, aber in Verkennung der eigentlichen Ursache ihrer Lage den Kampf nicht gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem, sondern gegen eine in demselben hervortretende Erscheinung richten, die ihnen im Konkurrenzkämpfe besonders unbequem wird, gegen das jüdische Ausbeutertum. Dieser sein Ursprung zwingt den Antisemitismus zu Forderungen, die ebenso mit den wirthschaftlichen wie politischen Entwickelungs-