Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-12-01 · Heft 12 (1.12.1893) · p. Seite 279

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 12 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 279 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969808--4029-2973592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

279 III. Vom Erhabenen überhaupt und insbesondere in der Bibel (Vortr.) IV. Haman, Bileam, und der jüdische Nabi (Abh.) V „Höret Himmel und merk' auf, Erde!" (Abh.) VI. Die Schöpfung der Welt, des Menschen und der Sprache nach der Genesis. (Vortr.) VII. Wahrheit und Entwicklung. (Abh.) VIII. Mythos und Religion. (Vortr.) IX. Ueber Andacht. (Vortr.) X. Ueber Demut. (Vortr.) XI. Zum Ursprung und Wesen des Monotheismus. (Dialog.) XII. Ueber Toleranz. (Vortr.) XIII. Ueber religiöse und nationale Vorurteile. (Abh). Wir hätten nun das vierte Hauptwerk Steinthals, seine Ethik, zu erwähnen. Leider aber müssen wir hier, wo wir am ausführlichsten zu sein gedachten, aus mehr äußern als innern Gründen mit der bloßen Erwähnung uns begnügen. Vielleicht darf zur Entschuldigung dieses Mangels angeführt werden, daß es mehr in der Aufgabe dieser Zeilen lag, über die im engem Sinne wissenschaftlichen Leistungen Steinthals zu berichten, während seine Ethik, obschon psychologisch-exact fundiert, doch im ganzen mehr eine philosophischspeculative Arbeit ist, gleichsam das System, die Welt- und Lebensanschauung Steinthals darstellend. Steinthal bemerkt irgendwo, daß der höher strebende Mensch sich naturgemäß zuerst um das in der Erkenntnis Wahre bemühe und erst im Fortschreiten sich der Idee des Guten zuwende. Das entspricht auch, seinem eigenen Entwicklungsgänge. Nachdem er seine besten Mannesjahre und Manneskräfte der Erforschung der wissenschaftlichen Wahrheit mit seltener Geistesenergie, Selbstlosigkeit und Characterstärke gewidmet hatte, wandte er sich an der Schwelle des Greisenalters auch der Ethik zu. Aber auch von außen her kam, wie er in der Widmung an Lazarus erzählt, der Anstoß zu diesem Werke; es war dies die schmerzliche Wahrnehmung, „daß über unserem Vaterlande die schönsten Steme der sittlichen Bildung zu verlöschen drohen." Da galt es: „Neu aufrichten, was zerfallen ist! Eine neue Ethik!" Doch mit diesem Zuruf Steinthals mag dieser Bericht über ihn schließen. Und da er aus Anlaß von Steinthals siebzigstem Geburtstage geschrieben wurde, so soll er auch in einem Glückwunsch für den Meister austönen. Diesen Wunsch wollen wir in die einfachen Worte kleiden: Möge Steinthal den Seinen und uns noch recht lange erhalten bleiben! Wonatsschau. In einer Versammlung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin wurden folgende Thesen angenommen: „1. Wir deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens stehen fest auf dem Boden der deutschen Nationalität. Unsere Gemeinschaft mit den Juden anderer Länder ist keine andere, als die der Katholiken und Protestanten Deutschlands mit den Katholiken und Protestanten anderer Länder. Wir erfüllen als Staatsbürger freudig unsere Pflichten und halten fest an unserem verfassungsmäßigen Rechte. 2. Wir gehören als Juden zu keiner politischen Partei. Die politische Anschauung ist wie die religiöse Sache des Einzelnen. 3. Wir haben keine andere Moral als unsere andersgläubigen Mitglieder. Wir verdammen die unsittlichen Handlungen des Einzelnen, weß Glaubens er sei. 4. Wir verwahren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.