Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 277 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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einige zu ganz besonderer Berühmtheit gelangt, wie die über das Epos (Bd. V.), von der mit Recht gesagt wird, daß sie seit Friedrich August Wolfs Prolegomena ad Homerum (1795) die tiefeingreifendste Arbeit auf dem Gebiete der Epik und Volkspoesie sei. Steinthals Ruf als Mythenforscher begründeten zwei Abhandlungen im 2. Bd. der Zeitschrift „Die ursprüngliche Form der Sage von Prometheus;" „die Sage von Simson". — Die im engeren Sinne sprachwissenschaftlichen Abhandlungen und Recensionen sind 1880 gesammelt erschienen als „Kleine Schriften" Bd. I; hoffentlich läßt Steinthal auch die völkerpsychologischen Abhandlungen und seine nicht minder hervorragenden, oft mit Lessing'schem Geiste geschriebenen Recensionen recht bald als zweiten Band Nachfolgen. Inzwischen hat Steinthal im Jahre 1890 eine kleinere Sammlung seiner populären Vorträge und Abhandlungen unter dem Titel: „Zu Bibel und Religionsphilosophie" erscheinen lassen, für die wir Juden ihm zu ganz besonderem Danke verpflichtet sind. Die Lektüre dieser Vorträge ist vielfach eine wahrhafte Herzstärkung. Steinthals ganze Feinsinnigkeit, seine unvergleichliche psychologische Kunst, seine iw den Volkslitteraturen so heimische Gelehrsamkeit — alles das kommt in dieser Sammlung auf eine erhebende Weise zur Geltung. Wie schon der Titel andeutet, zerfallen diese kleineren Arbeiten in zwei Gruppen; etwa I—VI gehören zur Bibel; VI—XII zur Religionsphilosophie. Die elfteren könnte man bes. im Hinblick auf I „Die Erzählkunst der Bibel," auch als einen Beitrag zur Poetik und Rhetorik der Bibel bezeichnen, wenn die Steinthal'sche tiefere Grundlegung dieser Disciplinen als mehr bekannt vorausgesetzt werden dürste (Vgl. Zeitschr. für Völkerpsychologie IV. „Zur Stilistik;" Bd. VI „Poesie und Prosa"). In der landläufigen Bedeutung dieser Namen sind sie zu trivial für das, was Steinthal hier bietet. Wenn man sich jedoch hieran nicht stößt, so kann man einige dieser Vorträge als Beiträge zur Poetik und Aesthetik der Bibel kennzeichnen. Hierher gehört wohl in erster Reihe der Vortrag I über die „Erzählkunst der Bibel." Doch wollen wir in diesem Teile unseres Berichtes soviel als möglich den Meister selbst sprechen lassen. „Alle Kunst, so beginnt Steinthal diesen Vortrag, ist innerhalb der Religion entstanden." Das war auch in Jsrael-Juda der Fall. „Darum muß es angemessen sein, die heilige Schrift nicht nur in Bezug auf Wahrheit des Inhalts, sondern auch in Hinsicht auf Schönheit der Form der Darstellungen zu betrachten." Eine unerläßliche Bedingung eines echten Kunstwerkes aber ist nach Steinthal die Wahrhaftigkeit. Der Dichter oder der Künstler muß das, was er darstellt, wirklich erlebt haben. „Schriften nun, wie die heiligen, in denen wir nicht bloß Wahrheit überhaupt, sondern höchste Wahrheit suchen, müssen auch seitens ihrer Verfasser von absoluter Wahrhaftigkeit Zeugnis geben. Hierauf hat die biblische Aesthetik vor allem ihr Augenmerk zu richten." . .. „Wer die Hoheit des einfachen Großen genießen, und die Gewalt, welche dieses auf das Gemüt übt, kennen lernen will, eine Einfachheit, welche groß, an einer Größe, welche einfach ist: der lese die Bibel. Am offenbarsten dürfte dies an der prophetischen Rede, an den Psalmen and Sprüchen sein; aber auch an den Erzählungen,.. läßt sich derselbe stilistische Grundcharakter vielleicht noch entschiedener Nachweisen. Auch hier wie dort ist dies hervorstechend, daß jeder Inhalt genau denjenigen Ausdruck erhält, welcher ihm ganz eigentlich anzugehören scheint, so daß man den Gedanken in derjenigen Form zu hören glaubt, in welcher er geboren ist, und in den Worten, welche von ihm geschaffen sind; man möchte sagen: Jede Sache und Vorstellung offenbare sich hier in ihrem Eigennamen. Demnach erscheint die biblische Erzählung in absolut