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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-12-01 · Heft 12 (1.12.1893) · p. Seite 274

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 12 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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— 274 Wohlthätigkeitanstalten auf sich nehmen, damit der Mittelstand nach dieser Richtung entlastet werde und ein Mittelstand ans gesunder Grundlage sich entwickle. Die Wohlthätigkeit soll sich in eine zielbewusste Versorgung der Armen verwandeln. Was aber für arm und reich, für alle ohne Unterschied Hauptsorge sein muß, ist die Erziehung der Inden znm alten Idealismus durch die Vertiefung in der Wissenschaft des Judentums. Wie es einst die Mäcene jüdischer Wissenschaft in Spanien gethan, so sollen die reichen Jtlden überall Anstalten für jüdisches Wissen, für niederes und höheres Wissen erhalten, Bibliotheken des jüdischen Schrifttums zur unentgeltlichen Benützung atlfstellen, Lehrer und Gelehrte anstellen, welche öffentliche populäre Vorträge über jüdische Geschichte, jüdische Litteratur und jüdisches Schrifttum halten, Preise für eine geeignete jüdische Jugendlitteratur ausschreiben, und indem sie selbst mit gutem Beispiele vorangehen und lebhaftes Interesse für Judentum und seine Wissenschaft bekunden. Von dem herrschenden Materialismus, von dem Anfgeheu in Vergnügungs- und Genußsucht dem wirklichen Idealismus sich zuwendend, werden sie den Mittelstand und die Armen zu gleich höherem Streben erziehen und sie abwenden vom Hasten und Jagen nach Geld, um dadurchnur die Genüsse der Reichen sich zu verschaffen und es ihnen gleichzuthun. Die Reichen müssen zunächst einen Teil ihres Vermögens opfern, um die sociale Frage iu uuserer Mitte zu lösen, dann ist vieles auch nach außen geschehen. Armut kleidet Israel am besten (Chagiga 9) ist ein altes Sprichwort; und es ist wahr, wenn es so verstanden wird, daß die Inden so erzogen sind, daß sie gleichweit von einein verlotterten Proletariat und von einer gierigen Unersättlichkeit, die bei allen Millionen sich noch arm hält, wenn es noch Millionen ans Erden zu gewinuen gibt, die noch nicht gewonnen sind. Davor schützt uns der Idealismus, zu dem uns nur die jüdische Wissenschaft erzieht. Die Thora, das Wissen des Judentums, sagen daher mit Recht unsere Weisen (Mechilta Exod. c. 15, 26), ist eine Wunderarznei für Israel, sie heilt von allen geistigen, moralischeil gesellschaftlichen Krankheiten und erhält uns ein unsterbliches Leben. Also! geht auch das Jahrhundert zu Ende, und will der Antisemitismus unser Ende, laßt uns zu unserem alten Mittel greifen, sie ist nicht zu Ende, die Thora lebt ewig und durch sie auch Israel ewig unsterblich! Professor K. Steinttzat. Von Dr. D. Selver (Darmstadt). (Schluß). Das dritte Hauptwerk Steinthals ist ohne Zweifel sein bereits erwähnter „Abriß der Sprachwissenschaft" Bd. I oder, lvie der speeielle und geläufigere Titel lautet: „Einleitung in die Psychologie und Sprachwissenschaft" (1871; 2. Aust. 1882). Es ist dies eine psychologische Grundlegung der Sprachwissenschaft und Sprachphilosophie, lvie sie vor Steinthal von Niemand versucht und geleistet wurde — auch von W. v. Humboldt nicht — und schwerlich bald wieder von einem Sprachforscher unternommen werden dürfte; es ist eben ein Werk, wie es nur Steinthal zu schreiben im Stande war.

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