Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 273 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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''*v yy* 7'-n,- Kp/:yy -:^^f * •; y*f: - 2?H - thätig sind, solange sie den gesetzlichen Weg nicht verlassen? Was haben die Juden zn ihrer Erhaltung vis heute gethan? Nichts! Sie iiberlassen es dem Wohlwollen der liberalen Christen. Wie weit das reicht, das sollten wir doch aus der Geschichte gelernt haben. Haben die Inden einen Vertreter im Parlamente? Es sind Inden im deutschen und noch mehr im österreichischen. Handelt es sich um die Juden, da entdecken die jüdischen Abgeordneten zumeist niit Ausnahme des Dr. Bloch, daß sie von Juden kein Mandat haben, und sie selbst — sie ähneln sehr dem polnischen Juden, der im Coupee über Juden schimpfen hörte, sich aber als Jude nicht verraten wollte! Wir haben bisher in höchst unfruchtbarer Weise Zeit und Kräfte vergeudet, indem wir den ganzen Schwerpunkt der Thätigkeit zur Erhaltung des Judentums dahin verlegten, ob dieses oder jenes Gebet im Gottesdienste gestrichen, ob Orgel oder Gesang, ob Frauen auf der Galerie oder neben den Männern in der Synagoge sitzen sollen, und haben es mit allen großen und schweren Kämpfen, die darüber geführt wurden, so weit gebracht, daß der Jndifferentismus in unserer Mitte mit jedem Tage an Macht und Ausbreitung gewinnt, und niemand für die Erhaltung des Judentums kämpfen will, weil er sich vereinzelt sieht. Lassen wir lieber jeden, wie er will und wie er es gewohnt ist und es ihm lieb geworden, mit seinem Gotte fertig werden, aber sehen wir zu, wie wir mit unseren Feinden fertig werden. Dazu brauchen wir Einheit, Uebereinstimmung und ein aufrichtiges begeistertes Aneinanderschließen, selbstloses Unterordnen des Einzelnen unter die Gesamtheit und eine freigewählte, thatkräftige, hingebungsvolle Vertretung, die den einzelnen Gemeinden Losung und Richtung, Weg und Verhalten angibt. Nur auf diesem Wege werden wir wie eine geschlossene Partei im Staate Achtung unseren Gegnern abgewinnen und zielbewußt an unserer Erhaltung arbeiten und nicht nutzlos in kleinlichen Kämpfen zur Freude unserer Gegner uns aufreiben. Ein weiterer Umstand, worauf die Geschichte der Vergangenheit unser Augenmerk lenkt, ist der Reichtum und der Neid. Der Handel mit dem die Juden allezeit sich beschäftigten, gab ihnen den äußern Schein der Wohlhabenheit, so daß alle Juden, von denen die Mehrzahl in drückendsten Verhältnissen lebten und nur der Wohlthätigkeit ihrer Brüder ein kümmerliches Dasein verdankten, sämtlich für reich gehalten und darum von der nichtjüdischen Bevölkerung beneidet wurden, da diese keine Einsicht in die Verhältnisse nahmen und nehmen wollten. Es wäre ganz gefehlt, zu sagen, die Juden sollten heute dem Handel entsagen und sämtlich Landleute und Handwerker werden. In demselben Augenblicke als dieses ins Leben treten würde, wäre der Neid und der Haß auf diesem Gebiete ebenso groß und die Anklagen würden nicht geringer sein, als sie heute sind. Jeder Mensch und jedes Volk muß sich darin belvähren und bethätigen, wozu sie natürliche Anlage und Fähigkeit besitzen. Die Juden sollen sich mit dem beschäftigen, wozu sie Neigung und Geschicklichkeit haben. Nur mögen sie sich hüten, durch ihr Auftreten und Verhalten den Schein der Wohlhabenheit zeigen zu wollen, wo er in der That gar nicht vorhanden ist. Jude sein und reell in seinem Berufe sein, das muß überall zur Wirklichkeit werden, und dafür müßten die Juden solidarisch eintreten, indem sie durch die gegenseitige Verantwortlichkeit erziehlich auf einander wirken. Die Reichen in der Gemeinde sollten zunächst alle Lasten zur Erhaltung der Gemeinde, der Cultusanstalten, der Schulen und