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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-12-01 · Heft 12 (1.12.1893) · p. Seite 272

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 12 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 272 (sequence 8)
Language
German
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272 Völkern und Staaten Europas Dank denr allmächtigen Einflüsse der Kirche von allen Berufsarten abgehalten und zum Handel und Geldgeschäfte gedrängt worden; und ihr Fleiß, ihre Arbeit nnd ihre Fähigkeit war in des Wortes echtem Sinne kapitalisirt. Diese Kapitalien waren vogelfrei, denn der Jude griff leider nicht wie andere Vvlksftämme zu den Waffen; er ließ sich anSpreffen, anssangen, berauben, plündern, morden, er wehrte sich nicht, und den Arm, der zu seinem Schutze sich erheben sollte, brauchte der Angreifer nicht zu fürchten; war ja die Kirche immer da, die dergleichen an Inden begangen, für ein gottgefälliges Werk entweder selbst verkündete, oder durch solche Diener verkünden lassen konnte, die man gelegentlich als im Irrtum und Mißverstände befindlich erklären konnte. Das Volk als solches verkehrte mit den Juden immer wie mit seinesgleichen nnd hätte von selbst den Juden niemals ein Leid zugefügt, »neun die Verhetzungen nicht von fanatischen Dienern der Kirche oder der Fürsten ausgingen. Die Bauern und den Bürgerstand im Mittelalter trifft die Hand der Mächtigsten nicht sanfter als die Inden, aber die Bauern griffen zu den Waffen, halfen sich selber, sie ließen sich auch vom Grund und Boden nicht verjagen; zudem hätten ja die Geldgierigen dabei nicht viel gewonnen, sie brauchten Geld, und das hatten nicht die Bauern und nicht die Bürger, das mußte von den Juden geholt worden. Diese Ursachen und Veranlassungen, dieser stets angehäufte Zündstoff konnte in jedem Augenblicke, in jeder Zeit und in jedem Jahre die Gesellschaft in Gefahr bringe» und sie vernichten. In der That erschöpft sich auch der Leidenskalender der Inden nicht mit den angegebenen Zahlen der acht Jahrhunderte und kam noch öfter auch in der Mitte der Jahrhunderte das schwerste Mißgegeschick in den verschiedenen Ländern über die Inden; aber das Ende des Jahrhunderts dürfte immer ein höherer Anreiz gewesen lein, mit den Erfolgen des Jahrhunderts Abrechnung z» halten, nnd war das Ergebnis, wie es ja in den meisten Fällen zu geschehen pflegt, ein wenig befriedigendes, so waren die Inden stets ein willkvmnienes Äbleitungsinittel nnd hatten die Differenzen zu bezahlen. Aber mit welchem Rechte das geschah, beweist der Umstand, daß die sociale Bewegung, die Unzufriedenheit nnd deren Ausbrüche in den Ländern nicht aufhörten, als die Inden darin nicht zu finden waren nnd die Ursache der gesellschaftlichen Not nicht mehr sein konnten, nnd diese in einer ganz andern Quelle gesucht werden mußte. Für die Juden müßte aber das Ende der Jahrhunderte ein Gegenstand sorgfältigster Studien sein. Wir hätten ans der Geschichte so viel lernen können nnd lernen sollen und scheinen überhaupt nichts gelernt zu haben nnd nichts lernen zu tvollcn. Denn so sehr die Ereignisse von Jahrhundert zu Jahrhundert sich wiederholen, treffen sie uns stets unvorbereitet. Wir haben kein Haupt, kein tvachfaines Auge, keinen Wächter auf der Warte, der vorsichtig die nahende Gefahr meldet, und in unserem angeborenen Optimismus, in unserer fast kindlichen Vertrauensseligkeit lassen wir immer die größten Gefahren an uns herankommen und tvissen dann nicht, was wir zu beginnen haben. Ist es nicht darum eine Existenzfrage für uns, daß die Juden eines jeden Staates unter einer einheitlichen Leitung und Führung eine geschlossene Partei bilden, überall zusammenstiminend anstreten, um dem gemeinsamen Feind mannhaft nnd mit erlaubten politischen und gesetzlichen Mitteln entgegentreten, nicht zum Angriff, aber stets zur Abwehr bereit nnd gerüstet! Wer nimmt es den Katholiken, wer den Polen übel, wer den Elsässern, daß sie für ihre Erhaltung

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