Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 269 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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269 O II. Meine Andächtigen! Unter dem Rufe „Höre Israel" dem der sterbende Patriarch die erste Weihe in der Geschichte verliehen und über welchen Himmelsglanz gebreitet ist, bet nie verblaßt, der da ist und bleibt ein Quell des Heiles, der Weisheit und des Segens, wenden wir uns jetzt in dieser weihevollen Stunde, die dem Andenken unserer Toten gewidmet ist, zu unseren Lieben, die uns vorangegangen in das Reich der Ewigkeit. Das Leben entzweit, der Tod versöhnt und die Gräber benetzt von so vielen Thränen, durchweht von so vielen Seufzern und Gebeten, künden Liebe, künden Versöhnung. Der Tod schlichtet alles, er ist ein Ende des Haders und Streites und Thoren sind's die sich die kurze Zeit des Daseins durch Streit und Haß verbittern. Ja es reden die Gräber eine eindringliche Sprache voll erschütternden Ernstes und lehren uns milde unb friedlich sein und die.irdischen Dinge von der Höhe der Ewigkeit aus betrachten. Höre, Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig, er ist unser Gott im Leben und im Tode. ^Und wenn auch manches Auge ist erloschen, in dessen Spiegel wir unsere Freude und Wonne fanden, und wenn auch manches Band ist durchrissen, das die Hand des Geschickes zart gewoben, wir blicken voll Trost und Ergebung zu dem empor, der schlägt und verbindet, der verwundet und dessen Hände wiederum heilen und über die grauenvolle Finsternis der Gräber ist unser Blick zu Gott in den Höhen gerichtet, unter dessen Schutz und Schirm sicher geborgen ist der Geist, der aus ihm stammt und zu ihm dereinst znrückkehrt. So laßt uns denn jetzt, geliebte Brüder und Schwestern! unter dem Rufe: Höre Israel, der Ewige unsör Gott, der Ewige ist einzig, eine Thräne der Erinnerung unseren Geliebten weihen, die in den Gefilden der Ewigkeit, im Reiche des Lichtes weilen, laßt uns im Geiste mit ihnen zusammen sein, laßt uns beten für das Heil der Verstorbenen, ihr Andenken sei an uns zum Segen! Amen. Hieve, gehalten in Frankfurt a. M. bei der Trauung von Frl. P. T. mit Herrn G. C. am 24. Septeniber 1893 von Rabbiner Dr. Adolf Brüll. Meine Werten! Wie der Festesmonat Tischri, in welchem Sie die herrlichste, die heiligste Feier Ihres Lebens be'gehen, teils zu ernster Betrachtung des Lebens uns anregt und teils zur Freude und zur Fröhlichkeit uns auffordert, also ergeht es auch Ihnen jetzt in dieser weihevollen Stunde, in der Sie ein dauerndes Lebens¬ und Liebesbündnis mit einander schließen und also ist auch die Stimmung beschaffen, die jetzt Ihre Seelen durchzieht. Und wenn die Hütte dem Feste den Namen giebt, das heute Abend bei uns Einkehr hält, so hat dies gewiß für Sie einen ganz besonderen Sinn und eine gar hohe Bedeutung, da auch Sie daran gehen eine Hütte aufzurichten über die der Schatten des Friedens sich stets lagern, in der der Geist der Liebe stets walten soll. So rufe ich Ihnen denn in dieser feierlichen Stunde, in der Sie daran gehen dein Bunde Ihres Herzens die Weihe zu geben, das Wort der Schrift entgegen, das am Hüttenfeste an allen Andachtsstätten Israels zur Verlesung gelangt: „Freut Euch vor dem Ewigen Eurem Gotte". Danken Sie unter Freude dein Herrn für die Gnade,